Dan Banacu, Generaldirektor der Holzindustrie Schweighofer Rumänien: „Wir haben mehr als 800.000.000 EUR in Rumänien investiert und wir haben mehr als 3.000 unmittelbare Arbeitsplätze geschaffen”

Ab August 2016 sind Sie der neue Geschäftsführer der Holzindustrie Schweighofer Rumänien. Warum haben Sie diese Herausforderung angenommen?

Ich arbeite in der Holzindustrie seit 1999 und hatte vor meiner Bestellung als Geschäftsführer die Holzplattenfabrik in Comanesti geführt. In dieser Fabrik arbeitete ich aber schon vor ihrer Übernahme im Jahr 2010 durch die Holzindustrie Schweighofer. Ich bin mit den Herausforderungen dieser Branche sehr vertraut und zusammen mit meinen Kollegen ist es uns gelungen, durch harte Arbeit eine echte Industrie auszubauen. Das hat uns eine große Zufriedenheit gebracht. Ich bin sehr verbunden an den Menschen, mit denen ich zusammengearbeitet habe und von denen ich vieles gelernt habe; viele von diesen Menschen arbeiten heute immer noch für unser Werk in Comanesti. Für sie, ihre Familien und alle anderen Kollegen, die Teil der Gruppe Holzindustrie Schweighofer sind, habe ich diese Herausforderung angenommen.

Was war das Schwierigste in den Monaten nach Ihrer Bestellung?

Die Herausforderungen sind vielfältig: die fünf Fabriken der Holzindustrie Schweighofer in Rumänien sind aufgrund von gemeinsamen Regelungen gewachsen und haben gleichzeitig ihre eigene Persönlichkeit behalten können. Die Harmonisierung der Verfahren, die Verbesserung der internen Kommunikation, der Ausbau einer Kommunikationsplattform, die die interne Kommunikation erleichtern sollte, waren von oberster Priorität für uns. Zusammen mit meinen Arbeitskollegen, anderen Fabrikdirektoren und in Abstimmung mit unseren Aktionären begannen wir die Umstrukturierung unserer Organisation entsprechend den aktuellen Anforderungen. Durch unsere Arbeit wollen wir nicht nur die Anforderungen der Produktionsarbeit und der Marktpräsenz erfüllen, sondern auch die neuerlichen Herausforderungen der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Arbeitsgruppen erfolgreich bewältigen. Unser ständiges Anliegen ist es, das Image, wodurch wir uns vorstellen wollen, der breiten Öffentlichkeit, den Umweltorganisationen und den Behörden näher zu bringen, indem wir sie damit vertraut machen, wie wir unsere Arbeit tatsächlich durchführen. Dabei sind wir in erster Linie darauf bestrebt, mehr Transparenz zu schaffen. Wir tragen aktiv dazu bei, das Phänomen des illegalen Holzeinschlags zu beenden. Wir sind fest entschlossen, intensiv und transparent zu kommunizieren, um alle eventuellen Fragen sofort zu klären und keinen Platz für irreführende oder falsche Meldungen zu lassen, die die ehrliche Arbeit von Hunderttausenden von Arbeitnehmern dieser Branche in Frage stellen wollen.

Ist es doch nicht anstrengend, Geschäftsführer eines Unternehmens zu sein, das sehr oft in dem Online-Umfeld und anderen Medien angegriffen wird?

Ich war mir bewusst, dass meine Arbeit nicht einfach sein wird, aber ich war bereit, diese Herausforderungen anzunehmen. Diesbezüglich habe ich einen wichtigen Vorteil, da ich genau weiß, was ich zu verteidigen habe, nämlich die ehrliche Arbeit von 3.000 rumänischen Mitarbeitern, die gut qualifiziert und ausgebildet sind, welche das rumänische und das importierte Rundholz in wertschöpfende Produkte umwandeln, die sowohl auf dem heimischen Markt, als auch auf den ausländischen Märkten verkauft werden. Das sind Menschen, die die Bestimmungen der Gesetze genau beachten und die wirklich an die Bedeutung ihrer Arbeit glauben, die sich an das Leben der lokalen Gemeinden beteiligen und auf die ich sehr stolz bin. Das Ziel meines Mandats ist es, eine totale Transparenz über unsere Arbeit zu schaffen.

Welcher ist der Tätigkeitsbereich des Unternehmens, das Sie leiten?

Holzindustrie Schweighofer Rumänien ist eine Gruppe von fünf Fabriken, die Rundholz oder Schnittholz verarbeiten und diese in Produkte mit höherer Wertschöpfung, wie z.B. Tischlerplatten, Sichtholz oder verleimte Holzprodukte umwandeln.

Welcher ist der Rohstoff, der die Fabriken der Holzindustrie Schweighofer in Rumänien verwenden?

Der Rohstoff, den unser Unternehmen verwendet, wird von Rundholz dargestellt. Wir treiben keinen Holzeinschlag, wir fällen keine Bäume, sondern wir kaufen das Rundholz, das wir für unsere Arbeit brauchen, von den Fachlieferanten. Die Fabrik in Comanesti verwendet als Rohstoff die schlechteste Qualität von Schnittholz und verwandelt es in ein fertiges Produkt mit einem sehr hohen Mehrwert für den rumänischen Markt aber auch für den Export.

Hat das Unternehmen Holzindustrie Schweighofer eine positive Auswirkung in Rumänien?

Ohne jeden Zweifel. Erstens dank der 3.000 direkten Arbeitsplätze und mehrerer tausend indirekten Arbeitsplätze, die unsere Firma in den Gebieten geschaffen hat, die bis zur Ansiedlung der Holzindustrie Schweighofer Fabriken als benachteiligte Gebiete (z. B. Comanesti) galten. Zweitens verwendet unser Unternehmen die neueste Technologie der Holzverarbeitung. Alle Rohstoffe, die an unsere Fabrik angeliefert werden, werden zu 100 % verwertet. Wir sind Bahnbrecher für die Nutzung von Energie aus Biomasse und ein wichtiger Teil dieser Energie wird in das nationale Netz gespeist. Der dritte Bereich, in dem unser Unternehmen eine positive Auswirkung hat, betrifft die Arbeitskräfte; das sind die Menschen, die von uns beschäftigt werden und die in unseren Fabriken und in den Partner-Ausbildungseinrichtungen ausgebildet werden. Sie erhalten dort eine berufliche Qualifikation und können damit in der Holzindustrie arbeiten. Viertens hat sich die Firma Holzindustrie Schweighofer auch an das Leben der lokalen Gemeinden aktiv beteiligt und hat diesbezüglich in Bildung, Gesundheit und Umweltschutz investiert und damit zum Wohlbefinden und zur Erhöhung des Lebensstandards der lokalen Gemeinden wesentlich beigetragen. Wir haben Krankenhäuser, Kindergärten und Schulen saniert und sie mit modernster Ausstattung ausgerüstet, wir vergeben Stipendien und unterstützen die Berufsausbildung.

Wie geht es der Holzwirtschaft in Rumänien?

Alle Akteure, die in Rumänien in der Holzwirtschaft tätig sind, müssen sich derzeit mit drei großen Pro-blemen konfrontieren: die Krise der Rohstoffe, die ausfälligen Kontrollen und Sanktionen gegen das Personal, das in der Holzverarbeitung arbeitet, (nach Inkrafttreten des Eilerlasses Nr. 51/2016 der Regierung) und nicht zuletzt das negative Image der gesamten Branche. Trotz dieser Probleme bin ich der Meinung, dass die Holzwirtschaft in Rumänien eine gute Zukunft hat, weil, entgegen landläufiger Meinung, der Wald in Rumänien nachhaltig bewirtschaftet wird.

Was können Sie uns über die Brennholz-Krise sagen?

Die Verbände der Forstunternehmen haben darauf warnend hingewiesen. Das Brennholz stellt allerdings keinen Rohstoff für die Firma Holzindustrie Schweighofer dar und demzufolge hat unser Unternehmen keinen Einfluss auf die Entwicklung dieses Marktes. Leider ist diese Situation durch die Inkongruenz der gesetzgeberischen Maßnahmen entstanden. Derzeit gibt es in Rumänien rund 3,5 Millionen Haushalte, für die das Brennholz die wichtigste Wärmequelle im Winter bedeutet. Der Preis von bis zu 500 Lei/Kubikmeter ist aber eine Zumutung sogar für die wohlhabende Bevölkerung, geschweige denn die Bevölkerung, die unter der Armutsgrenze lebt. Die Lösung dieses Problems ist derzeit von oberster Priorität für die Regierung, für die Verbände, die in diesem Bereich tätig sind und für Waldbesitzer. Ich bin diesbezüglich davon überzeugt, dass man bald eine vernünftige Lösung finden wird.
Holzindustrie Schweighofer produziert aus Sägespänen und Hackschnitzeln Pellets und Brikettes, welche vor allem in Mitteleuropa gerne und umweltbewusst viele Familien mit Wärme versorgen.

Wie viel hat die Firma Holzindustrie Schweighofer in Rumänien investiert?

In den letzten 12 Jahren hat die Firma Holzindustrie Schweighofer über 800.000.000 Euro in Rumänien investiert und über 3000 direkte Arbeitsplätze und andere 10.000 indirekte Arbeitsplätze geschaffen. Unsere fünf Fabriken in Rumänien tragen entscheidend zur Erhöhung der Lebensqualität in den lokalen Gemeinden bei und üben gleichzeitig eine positive Wirkung auf die ganze Wirtschaft. In den letzten fünf Jahren haben wir über 5 Millionen EURO für CSR-Aktivitäten ausgegeben. Was unsere Teilnahme am gesellschaftlichen Leben betrifft, konzentrieren wir all unsere Kräfte vor allem auf zwei strategische Richtungen, nämlich auf die Umwelt und die Bildung. Die rumänische Gesellschaft kann sich nur durch aktive Unterstützung des Bildungssystems entwickeln und wir versuchen diesbezüglich der neuen Generation eine wahre Unterstützung zu bieten.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Firma Holzindustrie Schweighofer und dem illegalen Holzeinschlag in Rumänien?

Die Firma Holzindustrie Schweighofer verarbeitet Holz nur unter strenger Beachtung der Gesetze und hat überhaupt keine Verbindung mit dem illegalen Holzeinschlag in Rumänien oder in anderen Ländern. Das aus
Rumänien oder aus Importankäufen stammende Rundholz wird von den Lieferanten angeschafft, die sowohl beim Abschluss der Verträge, wie auch bei Erbringung der vertraglichen Leistungen sehr streng geprüft werden. Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass der illegale Holzeinschlag den gesamten Sektor betrifft und die Schädigung unserer Gesellschaft, die durch den illegalen Holzeinschlag verursacht wurde, beträgt etwa 9.000.000 EURO im Jahr. Wir bemühen uns darum, die besten Lösungen zu finden, um den illegalen Holzeinschlag zu bekämpfen. Wir führen gerade ein GPS Tracking für alle LKWs die unser Werk anfahren ein. Die gefahrenen Routen inklusive Herkunftsorte und auf Nachfrage die dahinterliegenden Dokumente wie APV und Aviz werden für jedermann öffentlich über eine eigens eingerichtete Website sichtbar sein.

Welche sind Ihre Projekte im Bereich der sozialen Verantwortung?

Wir glauben und investieren erheblich in Bildung, weil wir fest davon überzeugt sind, dass die Zukunft von Spezialisten gebaut wird. Über 3.000 Handwerker und Fachleute arbeiten in unseren Fabriken in Rumänien. Wir wollen qualifizierte und leidenschaftliche Leute aus dem ganzen Land anziehen. Deswegen ist die Ausbildung vor Ort von Facharbeitern im Bereich der Forstwirtschaft (und nicht nur in diesem Bereich) eine der Prioritäten unseres Unternehmens.

Das Unternehmen Holzindustrie Schweighofer hat sich überdies an viele Bildungsprojekte beteiligt. Als Beispiel können wir hier das Pilotprojekt erwähnen, das wir am Technischen Kollegium „Grigore Cobalcescu” (für eine Klasse von 28 Berufsschülern) durchgeführt haben und in das wir über 280.000 Euro investiert haben.

Mit der Unterstützung unseres Unternehmens wurden die Laboratorien für forstliche Biometrie der „Stefan cel Mare“ Universität zu Suceava und der Transilvania Universität zu Bra?ov mit moderner Ausrüstung in Gesamthöhe von 74.000 Euro ausgestattet.

Wir haben auch in den Vorjahren viele Stipendien an begabte Studenten zur Unterstützung ihrer akademischen Tätigkeiten vergeben und werden dasselbe auch dieses Jahr machen. Die Stipendiaten sind Studenten an der Fakultät für Holztechnik und an der Fakultät für Forstwirtschaft. Im Studienjahr 2016-2017 werden wir zum ersten Mal Stipendien an Studenten der Fakultät für Forstwirtschaft der „Stefan cel Mare” Universität zu Suceava vergeben.

Das Unternehmen ist überdies auch in einem anderen Bereich tätig, nämlich in der Verbesserung der Lebensqualität der lokalen Gemeinden; diesbezüglich kann man hier erwähnen, dass das Unternehmen Holzindustrie Schweighofer ein wichtiger Partner der Organisation Habitat for Humanity Rumänien ist und in dieser Qualität die Bauprojekte zur Errichtung von Häusern für Familien mit geringem Einkommen unterstützt. Die Beteiligung des Unternehmens Holzindustrie Schweighofer an dieses Projekt besteht sowohl in einer finanziellen Unterstützung durch eine Spende von 150.000 Euro, die wir dieses Jahr betätigt haben, sowie auch in der Bereitstellung von Baumaterialien und Zurverfügungstellung des technischen Know-How. Außerdem schickt die Firma Freiwillige auf die Baustellen der Habitat for Humanity, um dort die Bauarbeiten zur Errichtung dieser Häuser zu unterstützen.

 

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