Die Fallen innerhalb der rumänischen Wirtschaft

(Foto: SergeyNivens/ depositphotos.com)

Die Geschwindigkeit des Wirtschaft­swachstums Rumäniens sinkt und das Entwicklungsniveau bleibt weiterhin weit unter dem europäischen Durchschnitt. Zudem spürt das Geschäftsumfeld allmählich die makroökonomische Bremsung. Die rumänische Wirtschaft ist in der ersten Hälfte dieses Jahres um 4% im Vergleich zu derselben Zeitspanne im Jahr 2017 gewachsen, nachdem diese im T2 einen realen Vorsprung von 1,4 gegenüber zum vorherigen Trimester verzeichnet hat. Laut Daten des Nationalen Instituts für Statistik ist das BIP im ersten Semester um 4% brutto im Vergleich zum 1. Semester des Jahres 2017 gestiegen, und um 4,2% saisonal angepasst. In den wirtschaftlichen Frühjahrsprognosen hat die Europäische Kommission die Schätzungen hinsichtlich des Wachstums der rumänischen Wirtschaft im Jahr 2018 auf 4,5% beibehalten und für 2019 wird ein Wachstum von 3,9% erwartet. Gleichzeitig kündigte die Weltbank Mitte des Sommers an, dass die rumänische Wirtschaft im Jahr 2018 ein Wachstum von 5,1% verzeichnen würde, jedoch hat diese davor gewarnt, dass dieses Wachstum oberhalb des Potenzials liegt. Ein Witschaftswachstum von 5% wird auch vom IWF vorhergesagt, während EBWE ein Wachstum von 4,6% im Jahr 2018 und 4,2% im Jahr 2019 schätzt. Der Nationale Prognoseausschuss deutet auf ein Wachstum des BIP von 6,1% im Jahr 2018, gefolgt von einem Wachstum von 5,7% in den Jahren 2019 und 2020 und 5% im Jahr 2021. Rumänien sieht jetzt jedoch, wie der Wachstumsrhythmus langsamer wird, und die direkten Ursachen sind im geringen Volumen an Investitionen, im negativen Wert des Netto-Exports und im steilen Anstieg der Arbeitskosten, insbesondere im öffentlichen Sektor, wiederzufinden. Während das Wachstum aus Polen, Ungarn und Serbien die Erwartungen im II. Trimester des Jahres übertroffen hat, ist die Struktur des rumänischen Wachstums laut Analysten von Erste Group Research ungünstig, wobei diese die einzige Wirtschaft der Region ist, für die die Schätzungen in Bezug auf das Wachstum für 2018 gering gewesen sind: seitens des IWF von 5,1% bis 4,4 – 4,5% und seitens der Erste Group von 4,1% bis 3,8%. Banca Transilvania schätzt das Wachstum für 2018 auf 4,3%, während UniCredit diese bei 3,9% platziert.

Die Folgen der Verlangsamung des wirtschaftlichen Fortschritts sind im Geschäftsumfeld spürbar. Die Anzahl der aufgelösten Unternehmen ist in den ersten sieben Monaten um 35% gestiegen und die der neuen Firmen um 13% gesunken, ein Zeichen dafür, dass der Appetit für Geschäfte sinkt. Laut einer Analyse von KeysFin sind die finanzielle Blockade, die politische Instabilität und der immer teurere Zugang zu Finanzierung, die hauptsächlichen Argumente, die dazu führen, dass die rumänische Wirtschaft wie ein Auto mit gezogener Handbremse funktioniert. Auf den ersten Blick befindet sich das rumänische Business im Plusbereich, der Konsum befindet sich auf Maximalniveau, die Gehälter wachsen, es wird rund um die Uhr gebaut, jedoch erscheinen ebenso viele besorgniserregende Warnzeichen. Jenseits der Entwicklung der Inflation und der Vertiefung der Krise auf dem Arbeitsmarkt ist ein weiteres Zeichen zur Sorge mit dem Sinken des Appetits für Geschäfte verbunden. Laut Daten des Handelsregisters ist die Anzahl der aufgelösten Unternehmen in den ersten sieben Monaten um 35% gestiegen und die Anzahl der neuen Firmen um 13% gesunken. Ein Warnsignal kommt auch aus dem Bereich der Insolvenzen, wo die Anzahl der Unternehmen mit Geschäften von mehr als einer Million Euro, die im ersten Teil des Jahres zahlungsunfähig geworden sind, steigt. „Es wird immer mehr Druck auf die Wirtschaftskette ausgeübt. Das Wachstum der Preise und der Finanzierungskosten, die wirtschaftliche Ungewissheit, sind Elemente im Vordergrund, mit direkten Folgen für das lokale Geschäftsumfeld. Der Investitionsappetit neigt dazu, sich aufgrund der Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen in einigen wichtigen Bereichen, einschließlich im Handel und in Dienstleistungen, zu verlangsamen“, so die Analysten. Laut diesen muss die Entwicklung in direkter Verbindung mit dem Rückgang des Vertrauensgrads der Verbraucher gebracht werden.

Die riskantesten Bereiche der Wirtschaft

Zusätzlich zu den Statistiken hinsichtlich der Gründung und Auflösung von Firmen wird die Entwicklung der Insolvenzen von den Analysten als ein sehr empfindliches Barometer der Wirtschaftslage angesehen. Laut offiziellen Daten sind die drei riskantesten Bereiche der Wirtschaft aus dieser Sicht der Handel (2.812 Insolvenzen im Jahr 2017), die Bauindustrie (1.324) und die verarbeitende Industrie (1.089). Im Gegensatz dazu stehen die Gesundheit und die Sozialhilfe (28), die Bildung (35) und die mineralgewinnende Industrie (39). Obwohl die laufende Liquidität im Durchschnitt um 50% im Jahr 2017 im Vergleich zu 2013, beziehungsweise um 38% im Vergleich zu 2016 gestiegen ist, gibt es weiterhin Bereiche, in denen die Zahlungen mit sehr großen Schwierigkeiten erfolgen. Bei den beruflichen Tätigkeiten hat die durchschnittliche Zeitspanne zur Erhebung der Schulden beispielsweise 223 Tage erreicht, und die zur Zahlung liegt bei 238 Tage. In der Bauindustrie ist die Lage noch schwerer. Die Zahlungen erfolgen, im Durchschnitt, nach 422 Tagen, und kassiert wird nach 195 Tagen. Zu den riskantesten Bereichen zählen aus dieser Sicht auch die Landwirtschaft, die mineralgewinnende Industrie und Strom & Gas. In der verarbeitenden Industrie erfolgen die Zahlungen im Durchschnitt nach 150 Tagen und kassiert wird nach 80 Tagen, und im Handel nach 113 Tagen im Fall der Zahlung der Schulden und nach 59 Tagen beim Kassieren der Rechnungen. Ein etwas geringeres Risiko weisen die Unternehmen aus dem Bereich Kultur&Unterhaltung auf, wo die Zeitspanne zur Erhebung der Schulden 51 Tage beträgt, Gesundheit & Sozialhilfe (56 Tage), Hotels & Restaurants (59 Tage).

Die gute Nachricht ist, dass, zumindest auf Niveau des Jahres 2017, die fälligen Zahlungen innerhalb der gesamten Wirtschaft um 17,6% im Vergleich zu 2016 bis auf 20 Milliarden Euro gesunken sind, und der Verschuldungsgrad ist auf 53,7% zurückgegangen. Bei der Betrachtung der gesamten vergangenen 5 Jahre, seit 2013 bis heute, stellt der Handel weiterhin den riskantesten Bereich hinsichtlich des Zahlungsverzugs dar. In diesem Sektor sind die meisten Unternehmen tätig, knapp 200.000, wobei diese im Vorjahr einen Umsatz von mehr als 110 Milliarden Euro verzeichnet haben.

Von der Gesamtzahl von 8.761 zahlungsunfähigen Firmen im Jahr 2017 sind mehr als 30% aus dem Bereich Handel gewesen (2.812 Firmen). Zum Insolvenzen-Ranking gehört auch die Bauindustrie mit 1.324 Unternehmen und die verarbeitende Industrie (1.089). Je nach Tätigkeitsbereich folgen, der Reihe nach, Transport und Lagerung, Hotels und Restaurants, berufliche Tätigkeiten, Landwirtschaft und Verwaltungs- und Unterstützungsdienstleistungen. „Die Lage hat sich im ersten Semester des Jahres 2018 im Vergleich zu der ähnlichen Zeitspanne im Vorjahr verschlechtert. Es gibt um 12% mehr Firmen, die ihren Betrieb eingestellt haben, während die Anzahl der neugegründeten GmbHs um 19% auf 45.276 gesunken ist. Ein echtes Signal dafür, dass die Wirtschaftslage einen anderen Weg eingeschlagen hat”, so die Erklärung der Analysten.

Seinerseits zeigt der Vorsitzende des Vereins der Finanzanalysten aus Rumänien, Iancu Guda, in einigen neuen Analysen, welche die Unternehmen sind, die es schaffen, innerhalb der Wirtschaft Geld zu produzieren, welche die Unternehmen sind, die bemerkenswerte konstante Einnahmen haben, für welche Art von Ausgaben die Unternehmen die produzierten Gelder ausgeben und welche die Unternehmen sind, die Steuern und Abgaben zahlen. Hinsichtlich der Bereiche mit steigenden Einnahmen im letzten Jahrzehnt zeigt Guda, dass es sich vorwiegend um den Dienstleistungssektor (einschließlich Handel) handelt, wobei es einen einzigen Produktionssektor gibt (Herstellung sonstiger elektrischer Ausrüstungen). Gleichzeitig verzeichnen einige Sektoren, die erheblichen Wachstum der Einnahmen melden, ein sehr hohes Risiko wegen der schlechten finanziellen Lage im Kontext der Überverschuldung oder der verzeichneten Verluste. Gudas Analyse zeigt, dass einige Sektoren wie etwa der Bau öffentlicher Infrastruktur, die Textilindustrie oder die mineralgewinnende Industrie, aus Mangel an Investitionen und im Kontext des Rückgangs der Nachfrage einstürzen. Der Anteil der Personalausgaben ist von 8% im Jahr 2007 auf 14% im Jahr 2017 aufgrund des Mindestgehalts, der in den vergangenen zehn Jahren fast fünfzehnmal erhöht worden ist, gestiegen. Somit ist der Mindestgehaltanteil (gesetzlich vorgegeben) des Durchschnittsgehalts (das die Fähigkeit des Geschäftsumfelds widerspiegelt, die Humanressourcen zu vergüten) von 27% im Jahr 2007 auf knapp 40% zum Ende des Jahres 2017 gestiegen, was auf die Tatsache deutet, dass die wiederholte Erhöhung des Mindestgehalts in einem beschleunigteren Rhythmus durchgeführt worden ist als in dem, der durch das Geschäftsumfeld aus Sicht der Entwicklung der Produktivität getragen werden kann.

Die Daten der Analyse führen zu einer einfachen, jedoch keineswegs erfreulichen Schlussfolgerung für das rumänische Geschäftsumfeld: während die wirtschaftliche Entwicklung sinkt, ist das Niveau der Investitionen unterdimensioniert, die Produktivität steigt nicht, und der Staat wird zum Hauptwettbewerber der einheimischen privaten Unternehmen. Somit stammen die Fallen innerhalb der rumänischen Wirtschaft sowohl aus dem Mangel an Liquidität der Firmen und dem Verzug innerhalb der Zahlungskette, aus deren Überverschuldung, als auch aus der Art und Weise, in der der Staat Spielregeln für die Unternehmen des freien Markts einführt.

Daniel Apostol

Romania
Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Der Immobilienmarkt zur Jahreshälfte: Die Entwickler bevorzugen Bukarest für Büros und Logistikprojekte und den Rest des Landes für Retail

Die Immobilienprojektlieferungen des ersten Halbjahrs deuten auf eine Vorliebe der Entwickler für Investitionen in Bürogebäude und Industrie- und Logistikparks, während...

Schließen