Dr. Florin Sabou, CEO von Bielomatik Rumänien: Das Vertrauen des Konzernmanagements aus Deutschland hat es uns ermöglicht, eine stabile und leistungsstarke Struktur in Cluj-Napoca aufzubauen

ein Interview von Ioan Dornescu

Sie haben Ihre berufliche und akademische Ausbildung in ­Deutschland abgeschlossen und seit 4 Jahren sind Sie CEO von ­Bielomatik in Rumänien. Welche sind die wesentlichen beruflichen Meilensteine Ihrer Karriere bis heute?

Die ersten Meilensteine waren das technische Studium in Rumänien und Deutschland. Die in Deutschland gegen Ende des Studiums durchgeführten Praktika haben mir die Chance gegeben, an Projekten mit praktischen Themen teilzunehmen und haben mir damals die Möglichkeit gegeben, mit den tatsächlichen Gegebenheiten der Forschungsprojekte in Kontakt zu kommen, die relevant für die Unternehmensentwicklung waren.

Danach sind die Tätigkeiten bei der Daimler AG Zentrale, im Motorenwerk aus Untertürkeim-Stuttgart, von hoher Bedeutung für meine persönliche Entwicklung gewesen. Es wurde mir die Möglichkeit gegeben, die Strukturen und Wechselwirkungen zwischen den Abteilungen eines riesigen Unternehmens kennenzulernen. Besonders hat mich die Serienproduktion mit ihrer Disziplin beeindruckt. Parallel erfolgte ein detaillierter Kontakt mit den qualitativen und detailorientierten Anforderungen. Durch diese Erfahrungen hatte ich die Gelegenheit zu lernen, was einen erfolgreichen Konzern ausmacht.

Desweiteren hat die Erfahrung in der Forschung und Entwicklung an dem Institut für Werkzeugmaschinen in Stuttgart eine hohe Bedeutung für mich, weil es eine Einrichtung mit hochqualifizierten Fachleuten und Mitarbeitern war. Dort habe ich mich mit unterschiedlichen akademischen Tätigkeiten befasst, nahm an Forschungs- und Entwicklungsprojekten teil. Außerdem habe ich aktiv im öffentlichen akademischen und technischen Umfeld an technischen Tagungen und Konferenzen teilgenommen. Mir wurde die Möglichkeit gegeben meine Projekte einem breiten Publikum zu präsentieren, was mich in einen nahen Kontakt zu  Fachleuten und Kollegen aus der Industrie brachte. Die Erfahrungen erlaubten einen intensiven Austausch mit verschiedenen Entwicklungsmodellen der Unternehmen, das Anwenden von unterschiedlichen Strategien aus den jeweiligen Bereichen.

Ein weiterer Meilenstein ist meine Doktorarbeit an der Universität ­Stuttgart, eine Arbeit auf die ich persönlich sehr stolz bin. Diese Zeit hat mich sehr gefordert, denn sie hat ein extrem intensives Eintauchen in die Theorie und Wissenschaft als auch einen ständigen realen Praxisbezug verlangt, die es zu verbinden galt. Es war eine Zeit des intensiven Austausches mit erfahrenen Kollegen, viele Jahre, die ich persönlich sehr genossen habe und in der auch für mich wertvolle Freundschaften entstanden sind.

Worin besteht für Sie der berufliche Erfolg als Manager des Unternehmens Bielomatik Rumänien?

Die Details der gesamten Tätigkeit erfüllen mich mit Zufriedenheit und mit großer Freude. Um genauer zu sein, sind alle unternommenen Schritte und Aktivitäten von dem Projekt an sich über lokalen Infrastrukturaufbau, die Werkseröffnung, der Personalaufbau, Lieferantenaufbau, der herausfordernde Knowhow-Transfer, die ersten eigenen Produkte, das Funktionieren als selbstständiges Werk von mir initiiert, strukturiert und begleitet. Das Vertrauen der beiden Geschäftsführer  der Gruppe Bielomatik-Leuze war ein Privileg für mich persönlich und ein Schlüsselfaktor für unseren heutigen Erfolg. Allen voran ist aber natürlich die Qualität des Personals, das von Anfang an ausschließlich lokal ist, das wichtigste Kriterium, in dem der Unternehmenserfolg begründet liegt. Darauf bin ich besonders stolz, denn ich habe die Möglichkeit mit sehr engagierten, intelligenten und hochmotivierten jungen Leuten einen neuen Standort aufzubauen.

Andererseits, welche sind die Herausforderungen, die ein in ­Deutschland ausgebildeter Manager in Rumänien zu meistern hat?

Die Herausforderungen sind darin begründet, dass wir die gleichen Endziele wie in Deutschland, was Qualität und Effizienz betrifft, anstreben, aber der Weg ein unterschiedlicher sein und sich an die rumänischen Gegebenheiten anpassen muss. Hier treten eine Mehrheit von Faktoren auf, die in zahlreichen Aspekten unterschiedliche Lösungen erfordern. Auf diese Art und Weise sind Situationen aufgetaucht, die tiefanalysierte Entscheidungen gebraucht haben, um die Interessen, Richtungen und zukünftigen wirklichkeitsnahen Ziele in Bezug auf den Standort-Cluj definieren zu können. Um diese Ziele weiterführen zu können, muss geeignetes und fähiges Personal angestellt und ausgebildet werden. Die größte Herausforderung ist die kulturelle Einstellung und Vorgehensweise, wenn es um die  allgemeine Arbeitseinstellung geht. Konkreter gesagt, die Verantwortungsübernahme und Eigeninitiative, das Erfahrungsniveau oder ein niedriger Altersdurchschnitt und der Mangel an Ausbildungsinstitutionen sind unterschiedlich im Vergleich zu Deutschland. Das ist in der Geschichte des Landes begründet und symptomatisch für den industriellen Stillstand der letzten 25 Jahre in Rumänien. In den oben benannten Bereichen, hat das Land noch großen Nachholbedarf. Ich hoffe sehr, dass diese Baustellen in der nahen Zukunft von der Politik systematisch angegangen werden.

Sie leiten in Klausenburg eine Fabrik für Anlagen im Bereich der Kunststoffverarbeitung und der Schmierungssysteme in der Industrie. Wie hat sich Bielomatik in Rumänien voriges Jahr entwickelt und wie sieht die Prognose für dieses Jahr aus?

Bielomatik befindet sich im Aufstieg, wir haben Zugang zu einem globalen Markt und der Unternehmensumsatz wächst jedes Jahr bedeutsam. Voriges Jahr gab es auch für den Standort Klausenburg eine positive Entwicklung, wobei es uns gelungen ist, den Umsatz am Ende des Jahres zu verdoppeln. Dabei haben wir ein fast makelloses qualitatives Niveau erreicht und haben unsere Lieferzeiten bedeutend verbessert. Für Bielomatik Rumänien war es ein „Bestätigungsjahr”, in dem Sinne, dass wir die Projektarten und die in Cluj hergestellten Maschinen und Produkte breit variiert haben, was uns dieses Jahr die Weiterführung der Entwicklung und des Wachstums erlaubt.

Ich betone, dass wir Komplettanlagen herstellen, was eine präzise Kohäsion zwischen den unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen benötigt, obwohl der Altersdurchschnitt und das Erfahrungsniveau viel niedriger im Vergleich zu den anderen Bielomatik Standorten ist. Da wir Anlagen, als auch automatisierte Systeme herstellen und nicht nur Produktteile, Baugruppen oder Serienprodukte, ist das Geschäft in dessen Komplexität anders geprägt. Trotzdem sind wir nach 3 Jahren selbständig fähig, komplexe Produkte ganzheitlich in Cluj zu bauen, Produkte, die zum großen Teil in den Produktionslinien der weltweit bekannten großen Unternehmen landen.  Die Ergebnisse und das in dieser Zeit erreichte Niveau wirken auf ein positives Vorgehen entscheidend, bezüglich der Weiterentwicklung des Standortes, und wir sehen eine erneute Verdoppelung des Umsatzes im Vergleich zum vorherigen Jahr als realisierbar.

Wie tief wurden Sie vom 12 Jahre langen Aufenthalt in Deutschland geprägt? Wo fühlen Sie sich „zuhause”, in Cluj oder in Stuttgart?

Zuhause ist relativ. Ich habe das Glück gleich mehrere Orte mein Zuhause zu nennen. Ich fühle mich sowohl in Rumänien als auch in Deutschland, v.a. in Süddeutschland, wo ich sehr viele für mich wichtige Jahre verbracht habe, sehr daheim. Ich habe in sowohl als auch Familie und Freunde, daher genieße ich da einen großen Luxus in beiden Ländern verwurzelt zu sein.

Vermutlich macht sich der wichtigste deutsche Einfluss im Bereich Vertrauen in die eigenen Kräfte und eine pragmatische Vorgehensweise mit präzisen Zielen bemerkbar.

Bezüglich der persönlichen Aspekte Ihres Lebens, wie verbringen Sie Ihre Freizeit? Welche sind Ihre Interessen und Hobbys?

Meine Hobbys, sofern ich dazu komme, sind im Grunde unspektakulär, Sport, Politik, ganz „Old-school“ Zeitung lesen. Mit kleinen Kindern, die mich gut zu beschäftigen wissen, bleibt aber meistens auch nicht mehr viel Zeit übrig.

Romania
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