Ein Gespräch mit S.E. Bogdan Mazuru, Botschafter von Rumänien in der Republik Österreich

Die Macht der Selbstverständlichkeit

Dr. Alex Todericiu

Selbst habe ich bereits mit einigen Botschaftern mein blaues Wunder erlebt. Sowohl in Wien als auch in Bukarest. Kennengelernt, habe ich sie kaum. Die meisten davon, hochqualifizierte Dienstleister. Man trifft sie meist bei Empfängen, Galadinner oder Ähnliches. Gewandtheit im Benehmen, Unbekümmertheit, Zungenfertigkeit und das wortreiche Auftreten… Die Bürde des Beamtentums ist, wie so oft, jedoch nicht bei allen, dennoch unüberwindbar.

Pink Floyd hat 1973 Dark Side of the Moon gebracht und bis heute über 50 Millionen davon verkauft. Der damalige Pförtner des Londoner Abbey Road Studios, welcher zum Album befragt sagte: “There is no dark side in the moon, really; [as a] matter of fact it’s all dark.(…) The only thing that makes it look (a)light is the sun.”

Habe mich immer gefragt, wie eigentlich Berufsdiplomaten als Botschafter eigentlich so sind. Ihr Beruf ist ein ständiger Tanz auf dem lackierten Parkett. Bridge-builder. Und immer diese Tugend der Verschwiegenheit…

Spätestens seitdem Botschafter Mazuru mir aber erklärt hat wie die Flitterwochen auf englisch richtig zu verstehen sind, gebe ich zu, gefällt er mir besser! “Honeymoon”, wenn soweit bekannt, dann verständlich, hat etwas mit dem Mond zu tun und nicht mit den ersten Tagen und Wochen eines frisch vermählten Brautpaares, einem Monat sogar, d.h. “luna de miere” (Flitterwochen, dt.), wie die Rumänen zu sagen pflegen, meint der Botschafter! Recht dazu, hatte auch der Pförtner … Keine Bürde hat nur Schattenseiten. Bogdan Mazuru (geb. 1962, verheiratet, kinderlos), hat eine Bilderbuchkarriere! Staatssekretär für europäische Angelegenheiten im rumänischen Außenamt (2009-2010, als Emil Boc MP war), Botschafter bei der NATO (2001-2006), in Deutschland (2006-2009), Frankreich (2010-2015). Er ist, seit August 2015, Botschafter Rumäniens in Wien.

Der gelernte Informatiker, tadellos, somit smart, lässt sich selten für Zeitschriften ablichten. „Ein Gentleman kleidet sich so, dass die Leute auf der Straße ihn übersehen“, frei nach Oscar Wilde. Der Botschafter tritt auf wie ein Bankier in der Londoner City, ohne Badge am Hals.

Der aktuelle Anlass für unser Gespräch bildet ein kluger taktischer Zug der Botschafter Mazuru gelungen ist.

Mag. Harald Neumann (geb.1962), CEO bei der Novomatic Gruppe seit 2014, Hauptspieler der Gaming-Branche mit einem Milliardenumsatz und Board Mitglied des American Chamber of Commerce, als neuen Honorarkonsul für Rumänien in Niederösterreich zu gewinnen, ist eine ausgezeichnete Leistung! Dieser wurde mit Beginn August 2018 feierlich ernannt. Nachdem der Alt-Landeshauptmann Erwin Pröll zum Honorarkonsul der Republik Slowenien in Niederösterreich im Vorjahr bestellt wurde, ist nun mit Harald Neumann auch Rumänien eine Top-Besetzung gelungen.

Die Niederösterreichische Landes­hauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) über den neuen rumänischen Honorarkonsul: „ein Geschäftsführer eines weltweit agierenden Konzerns, der in exzellenter Weise versteht Kontakte zu knüpfen und Brücken zu bauen“.

Der Botschafter spricht auch fließend englisch, deutsch und französisch. Die Gabe komplexe Inhalte einfach zu erklären hat er. Das Verständnis der Landespolitik ist ihm nicht fremd. Vormals war dies kein Naturell bei den Beamten der diplomatischen Vertretung in der Wiener Prinz Eugen Straße. Sein Geschmack zu Untertreiben und die eigene Kunst im Sinne des „laissez-faire, laissez-aller“ geben ihm Raffinesse. Bezogen auf der von ihm erwarteten, sowohl leidenschaftlich als auch in kreativer Art erfüllter, eigener Leistung.

Habe lange selbst geglaubt der Botschafter hätte Lampenfieber in Wien, wäre scheu. Ich habe mich geirrt. Die Banalität des Alltags begegnet er mit Humor. Seine Selbstverständlichkeit wirkt authentisch. Er übertreibt nicht, verwendet aber kaum Understatements. Siehe dazu auch seine Sprache aus dem Interview.

Unverwechselbar, dieser Herr Botschafter. „Maße dir niemals an den Ton anzugeben“ meinte ein Earl of Chesterfield über die anstrengende Kunst ein Gentleman zu sein. Seine Selbstverständlichkeit ist bezeichnend und alles spricht dafür ihm zu glauben.

Ein Gespräch mit SE dem rumänischen Botschafter in Wien

A.T.: Eure Exzellenz, mit einem Werdegang, der sich sehen lassen kann bei der NATO, in Berlin, Paris, haben sie jetzt die Stelle in Wien. Eine Stadt der Kulissen zwischen Sein und Schein. Die Unterschiede sind manchmal nicht einfach zu verstehen. Was ist in der österreichischen Hauptstadt anders, welche wären die Arbeitsschwerpunkte welche aus den anderen Hauptstädten fortbestehen?

B.M.: Wien, wie Paris und Berlin, ist eine für Rumänien sehr wichtige Hauptstadt. Rumänien und Österreich teilen dieselbe politische Vision über Europa und ihre Zukunft, haben gemeinsame nachbarschaftliche Interessen, ob wir jetzt über den Westbalkan oder den östlichen Raum sprechen. Wir sind an der Donau gebunden, an Geschichte und Kultur, ohne Einzelheiten erwähnen zu möchten. Was ist anders? Die geografische und kulturelle Nähe zu Rumänien. Als Rumäne, in Wien fühlst dich „eher zuhause“.

Österreich, als neutrales EU-Land setzt wahrscheinlich Differenzen der diplomatischen Vertretung voraus. Welche sind da die unveränderlichen Größen? Könnten sie anmerken?

Die Neutralität stellt heuer für ein Land was anderes dar als im 19ten oder 20ten Jahrhundert, wie z. B. bis am Ende des kalten Krieges. Österreich ist ein aktives, wichtiges Mitglied der EU, glaubt und hängt von Europas Zukunft ab, somit gibt es keine maßgebliche Unterschiede zwischen dem Antlitz Österreichs und das anderer EU-Mitglieder, wenn Europas Sicherheit und die Verteidigung zur Debatte steht.

Wie sieht ihr Arbeitstag an der Botschaft in der Wiener Prinz Eugen Straße aus?

Die Zeit ist leider knapp für vieles was ich während eines Tages tue: Treffen mit Partnern aus der österreichischen Verwaltung, Vertretern der österreichischen Politik- und Geschäftswelt, mit Kollegen aus dem Diplomatischen Corp. Hinzu kommt die Regelung der alltäglichen Tätigkeit in der Botschaft und der Konsularabteilung, die Handhabung der zahlreichen offiziellen Besuchen aus Rumänien, die Teilnahme an sozialen und kulturellen Veranstaltungen. Sie können sich vorstellen, daß ich recht beschäftigt bin, da wir heuer die österreichische Präsidentschaft des EU-Rates haben und die rumänische folgt noch.

Was sind ihre Hobbys? Welches Buch liegt auf ihrem Nachttisch?

Ich zeichne. Ich lese gerade „Pump six”, eine Novellensammlung von Paolo Bacigalupi.

Nach der 2018-er Hälfte in der Österreich die EU-Präsidentschaft inne hat, folgt Rumänien. Viel zu tun?

Da einerseits Wien zum EU-Zentrum während der Präsidentschaft wird, wo die europäischen Entscheidungsträger sich treffen und Beschlüsse fassen und es anderseits wichtig ist die österreichische Erfahrung in der Ausübung unserer Präsidentschaft zu übernehmen, ist der Arbeitsaufwand höher. Weil Wien die Fortführung der von ihr angebrachten Themen und Leitlinien der EU Präsidentschaft 2018 haben möchte, ist das Interesse an Rumänien in Österreich erheblich gestiegen. Hinzu ist die europäische Tagesordnung besonders komplex und kompliziert: Brexit, der mehrjährige Finanzrahmen, die Migration, die europäische Verteidigung, die Digitalisierung sowie regionale aber für Rumänien und Österreich gleichermaßen wichtige Themen wie der Westbalkan oder die Donaustrategie.

Welche Hauptstadt wird nach Wien in ihrer Karriere folgen?

Habe keine Ahnung. Der Verlauf der beruflichen Laufbahn eines Diplomaten hängt von weit mehr Faktoren als seine eigene Auswahl ab.

DeBizz ist ein Wirtschaftsblatt, erscheint zweisprachig und wendet sich einem rumänischen und deutschsprachigen Publikum zu. Wien, als Investitionsstand, könnte als zweite „Wirtschaftshauptstadt” Rumäniens benannt werden. Welche wäre ihre Botschaft für die am Geschäftsbeginn in Österreich interessierten rumänischen Unternehmer, am Vertrieb in Wien interessierten kleinen oder größeren Produzenten, für diejenigen welche Partnerschaften im internationalen Handel suchen und ihre Schwelle überschreiten?

Nochmals möchte ich die Besonderheit Österreichs was Rumänien anbelangt hervorhe­ben: ein nicht nur geografisch sondern auch kulturell naheliegendes Land. Die Geografie, die Geschichte, die Kultur erleichtern die Verknüpfungen jeder Art (soziale, wirtschaftliche, persönliche, usw.). Das gegenseitige Verständnis ist hoch und dafür spricht überzeugend der Hinweis, daß Österreich das westeuropäische Land war, welches sich nach dem Ende des kalten Krieges am raschesten Richtung Osten bewegt hat.Österreich hält seit vielen Jahren den zweiten Platz in der Rangliste der ausländischen Investoren in unserem Land und ist einer unserer wichtigsten Handelspartner. Die Zusammenarbeit, der fortwährende Tausch innerhalb bewährter Verfahrensweisen, der Informationstransfer, sollten das Fundament unserer bilateralen Wirtschaftsbeziehungen darstellen.

Die rumänischen Geschäftsleuten könnten kühner in ihrer ausländischen Markterfassung sein um somit aus dem österreichischen know-how, aufgrund von Partnerschaften, Profit zu schlagen. Darum würde ich rumänische Businessinitiativen in Österreich nicht nur im Handelsverkehr sondern auch im Bereich der Investitionen unterstützen. Es gibt bereits Erfolgsgeschichten von rumänischen Unternehmer welche im Fremdenverkehr, Handel, Baugewerbe und neuerlich in den IT-Dienstleistungen investiert haben. Diese positive Erfahrungen soll man erschließen und vervielfachen auch durch andere Unternehmer.

Alle die an diesem Markt sich beteiligen wollen, sollen nicht vergessen, daß Österreich ein wirtschaftlich entwickeltes Land ist, der Lebensstandard ist entsprechend und darum sind die Erfordernisse der Konsumenten im allgemeinen besonders hoch. Die Ernsthaftigkeit, die Qualität und die Vorstellung der Produkte, die zeitgerechte Lieferung sind für eine lang anhaltende Handelsbeziehung sehr wichtig.

Wir, als Botschaft, können den Interessierten verschiedene nützliche Informationen und Kontakte anbieten, die ihnen beim Markteinstieg behilflich sein können. Die Firmen sind aber diejenige welche sich den Einstieg im harten Wettbewerb wünschen müssen um ihre Produkte und Dienstleistungen bekannt zu machen.

(Dr. Alex Todericiu, www.todericiu.eu)

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