Eine ungewöhnliche Krise erfordert clevere Lösungen

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Die Innenstadt von Bukarest erweckt den Eindruck, das alles wieder beim alten ist – auf den Straßen herrscht geschäftiges Gedränge, Autos stauen sich hupend in den Kreuzungen, Leute unterhalten sich lautstark am Smartphone. Spricht man mit den Menschen, sieht das Bild anders aus. Viele sind noch unsicher, nachdem die pandemiebedingte Krise ihre Einkommen mehr oder weniger schwer getroffen hat.

Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft, um so mehr für eine konsumgetriebene Wirtschaft. In den meisten Branchen verdienen die Menschen jetzt zwar wieder (fast) so viel wie vor der akuten Phase der Lockdowns, sie sind aber nicht mehr bereit, das Geld wie früher auszugeben: was ist, wenn eine zweite Welle kommt?

Die Kernaufgabe der Regierungen ist jetzt, die Wirtschaft wieder in Gang zu bekommen. Hat das Land genug Geld, kann es direkt an die Firmen verteilt werden, doch das ist keine besonders gescheite Unterstützung. Diese Methode schafft längerfristig eine Erwartungshaltung, die der Innovation und dem Konkurrenzdenken schadet. Warum effizient und produktiv sein, wenn der Staat sowieso zahlt?

Der gesündere Ansatz ist, das Geld wie auch früher über die Konsumenten in die Wirtschaft fließen zu lassen – doch wie kann man die Bürger überzeugen, wieder Geld auszugeben?

Man kann ihnen, wie einige Länder (Spanien) es schon in der Form quasi-genereller Unterstützung versucht haben, Geld direkt auszahlen. Das garantiert jedoch nicht, dass es wieder in die Wirtschaft fließt. Die Krise hat viele Leute mit schlecht bezahlten Dienstleistungsjobs getroffen und es sind vor allem diese Menschen, die Unterstützung bekommen. Nicht wenige von ihnen werden im heute unsicheren Klima das Geld horten, was der Wirtschaft nicht sehr hilft.

Die im Moment beste Methode ist die der Gutscheine. Sie hat gleich mehrere Vorteile: Für die Konsumenten macht es kaum Sinn, das Geld zu sparen, insofern die Gutscheine eine zeitlich beschränkte Gültigkeitsdauer haben und mit ihnen auch nicht überall bezahlt werden kann. Außerdem müssen Gutscheine nicht immer und unbedingt von der Staatskasse ausgestellt werden: ein gutes Beispiel ist die Stadt Wien, die den Menschen 50-Euro-Gutscheine im Gesamtwert von 40 Millionen Euro ausgegeben hat, um gezielt der Gastronomie nach der Coronakrise unter die Arme zu greifen. Auch in China haben über 30 Provinzen und Städte Coupons verteilt, um den Konsum wieder anzukurbeln.

Natürlich sind Voucher nicht unproblematisch: In Rumänien haben Gutscheine für Staatsbeschäftigte, die nur im Inland ausgegeben werden können, den Tourismussektor aus dem Gleichgewicht gebracht, weil die Kunden das geschenkte Geld vornehmlich am Schwarzen Meer ausgeben wollen und andere Gebiete den Kürzeren ziehen. Menschen, die keine solche Coupons beziehen, klagen außerdem über Diskriminierung.

Im Kern eignen sich Voucher-Ansätze aber sehr gut für eine fein gezielte Förderung bestimmten Zwecke. Auch hier hat Bukarest in den letzten Jahren Erfahrungen gesammelt. Die Verwaltung verteilte Gutscheine für den Kauf von Fahrrädern. Zwar kam es wegen dem unklaren steuerlichen Umgang zu Problemen, aber insgesamt hat die Stadt ihr Ziel erreicht, mehr Fahrräder im Umlauf zu haben. Dass es aber kaum Fahrradwege gibt, auf denen man in Sicherheit radeln kann, ist eine ganz andere Geschichte.

Alex Gröblacher

Romania
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So langsam öffnet sich unser Leben wieder, wir dürfen erneut zur Arbeit gehen, soziale Kontakte sind zu grossen Teilen wieder...

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