Führung und Management, ist da ein Unterschied?

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Jeder von uns, der in einer Firma mit anderen Menschen arbeitet, hat immer etwas zu tun,: wir schreiben Mails, treffen Mitarbeiter und Zielvereinbarungen, verhandeln, verkaufen oder stellen Zahlen zusammen. Manchmal überzeugen wir, geben eine Richtung vor oder sagen einfach “nein”. Aber was genau geschieht da eigentlich? Viele von uns managen ihren Tag, ihre Pflichten, ihre Mitarbeiter, aber was ist eigentlich ein Manager, was ist ein Leader?

Schaut man in die Definitionen der Lehrbücher, so umfasst Management alles: Planung, Organisation, Führung und Kontrolle. All diese Aufgaben fallen in der Firma an, aber auch in der Familie oder sogar beim sogenannten Selbstmanagement. Wir managen alle, wobei der eine Stärken im Kontrolling oder der Planung, der andere in der Organisation hat. Führung hat bei alledem wohl deswegen eine besondere Rolle, weil es hier eindeutig darum geht, mit anderen Menschen etwas zu erreichen, sie für ein Ziel zu motivieren. Das geht allein mit Controlling oder Planung nicht, wie viele glauben. Nur wenige verstehen diese Rolle wirklich. Führung muss wohl etwas besonderes sein, weil es sie so selten wirklich gibt. Wir schauen gerne zu den Großen dieser Welt auf, bewundern Steve Jobs, Bill Gates oder Richard Branson.

In meiner über 25 jährigen Berufstätigkeit in mehreren Ländern und Firmen habe ich nur sehr sehr wenige von dieser Sorte getroffen, ich glaube, nur eine handvoll. Es sind einfach herausragende Persönlichkeiten, die in sich eine große Energie haben, die sie auf andere übertragen können. Ein Leader kann begeistern, durch seine Kraft, seine Vision, seine rhetorischen Talente, seine Kreativität, seine Werte, seine Menschlichkeit. Er passt selten in ein Korsett. Dies kann sowohl in positiver wie in negativer Hinsicht genutzt werden, wie wir aus der jüngsten deutschen Geschichte gelernt haben. Bleiben wir hier bei der positiven Austrahlung. Es ist wohl so, dass die meisten von uns gerne auf einen Leader schauen, weil er etwas hat, was wir vielleicht nicht haben, aber gerne hätten. Dazu gehört nicht unbedingt die Position, der Dienstwagen oder das Image, was wir gerne um uns herum aufbauen möchten. Ein Leader steht also für etwas ganz bestimmtes, so wie ein Fels in der Brandung, das ändert sich auch nicht von heute auf morgen. Interessanterweise finden wir die meisten Leader im hier beschriebenen Sinne nicht in der sogenanten “corporate world” , sondern eher in eigentümergeführten Unternehmen, oder sie entstehen und erheben sich aus anderen Strukturen wie beispielsweise Mahatma Gandhi oder Napoleon Bonaparte.

Vielleicht ist unsere Geschäftswelt auch schon zu opportunistisch, zu einseitig geworden oder zu sehr auf die Befriedigung von Interessen anderer ausgerichtet, als dass daraus wahrhaftige Führungspersönlichkeiten mit Format aufsteigen könnten. Wenn wir ehrlich sind, managen viele von uns nur Sachzwänge und halten dies dann für Führung. Der Fels in der Brandung fehlt daher in vielen Firmen, also Persönlichkeiten, die Werte verkörpern und diese nicht wie das Hemd jeden Tag wechseln.

Führung ist nicht eine Technik, die man schnell lernen kann und dann zur Anwendung bringt. Ich glaube, die meisten der großen Führungspersönlichkeiten dieser Welt werden als solche geboren. Das heisst nicht, dass wir uns nicht immer weiter verbessern können. Dies geht jedoch nur dann, wenn Sie sich selbst genauer beobachten und herauszufinden versuchen, für was Ihr inneres Feuer brennt. Achten Sie in den nächsten Tagen und Wochen einmal darauf, wie Sie in Ihrer Firma agieren. Führen Sie wirklich oder managen Sie nur einen vorgegebenen Rahmen? Selbstbeobachtung bringt Ihnen ein wenig mehr Ehrlichkeit darüber, was Sie eigentlich den ganzen Tag so machen.

Keine Angst, auch ohne diese Überlegungen können Sie ein guter Manager sein oder werden. Nicht jeder muss gleich ein Leader sein. Das ist auch schon eine wichtige Erkenntnis.

Dr. Michael Schroeder

Romania
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