Was für ein Leader sind Sie?

(Foto: Khakimullin/ depositphotos.com)

Jedes Jahr erscheinen neue Bücher über das Thema “Leadership”. Darin können wir nachlesen, was ein erfolgreicher Leader so alles an Fähigkeiten mitbringen sollte. Eigentlich geht es bei der Führung immer um das gleiche: Menschen so zu organisieren, dass ein gemeinsames Ziel erreicht wird. Da gibt es keine Standardformel. Viele Wege führen zum Ziel. Wir lernen von Fehlern – hoffentlich -, wir lernen aus Büchern oder von anderen erfolgreichen Managern, wir lernen jedoch fast nie vom kritischen Blick in den eigenen Spiegel. Wie oft fragen Sie sich einmal ernsthaft, warum Sie etwas so oder so machen? Was sind denn Ihre Antriebskräfte oder Ihre Hindernisse, die Sie sich selbst in den Weg stellen? Wie sind Sie eigentlich grundsätzlich als Mensch “gestrickt”? Gehen Sie einmal davon aus, dass wir alle durch unsere eigene Vergangenheit vorbelastet sind; ein bestimmter Führungsstil ist schon in Ihrer Persönlichkeitsstruktur vorprogrammiert.

In den letzten 25 Jahren meiner beruflichen Tätigkeit als international tätiger Medienmanager und schliesslich als Coach habe ich sicherlich mehrere Hundert Topmanager kennen gelernt, mit vielen von Ihnen sogar persönlich gearbeitet. Dabei bin ich auf vier verschiedene Typen von Leadern gestossen, die ich Ihnen kurz beschreiben möchte.

Da gibt es zuerst den Psychopathen. Bitte lachen Sie nicht, diese machen etwa 10 bis 15 % aller Führungskräfte aus. Hierbei handelt es sich um Manager, die rücksichtslos ihre eigenen Interessen verfolgen, mit Menschen spielen und zuweilen Spass dabei haben, andere zu zerstören. Sie schrecken auch vor Lügen nicht zurück und manipulieren ständig ihr Umfeld. Derartige Menschen haben einen ausgeprägten Machtinstinkt, sie folgen ihm radikal, ohne Rüchsicht auf Verluste. Ihr Gefühlsleben ist gestört. Sie können mitunter durch Ihr selbstbewusstes und starkes Auftreten Menschen beeindrucken und mitreissen.

Der zweite Typ ist der egozentrische Leader. Er ist zwar nicht so zerstörerisch und manipulativ veranlagt wie der erste Typ; er hat aber auch nur seine eigenen Interessen im Blick. Diese Leader halten sich oft für Helden, die alles können und prahlen gerne mit Ihren Erfolgen. Sie lieben die Macht, sie sind sehr ambitiös. Sie wollen Anerkennung und Bewunderung für ihre Leistungen, das treibt sie an. Oft haben sie sehr gute kommunikative Fähigkeiten, die sie gerne dafür einsetzen, um andere zu beeindrucken. Eigentlich interessieren sie sich auch nicht so sehr für andere Menschen, nur in sofern, als dass diese die erwartete Leistung erbringen. Typ II hält nicht sehr viel davon, starke Mitarbeiter zu entwickeln. 50% aller Manager befinden sich in dieser Gruppe.

Typ III ist sehr vorsichtig. Er hat Angst, Fehler zu machen. Seine Angst hindert ihn daran, wirklich empathisch zu sein. Er geht kaum Risiken ein und überlegt lange, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Aus Angst vor Fehlern kon­trolliert er seine Mitarbeiter sehr genau und überprüft alles, was über seinen Schreibtisch geht. Er steht selten hinter seinem Team und schützt sie nicht vor Kritik von aussen. Es ist nicht verwunderlich, dass ein solcher Manager keine Konflikte mag, er geht ihnen aus dem Weg. Er steht auch kritischem Feed back sehr misstrauisch gegenüber. Auf diese Weise bleiben viele Probleme ungelöst, die Mitarbeiter einer solchen Führungskraft sind oft frustriert. Typ III ist manchmal unberechenbar, weil er auf der einen Seite zu seinem eigenen Chef schnell “Ja” sagt und dann auf der anderen Seite auf seine eigenen Mitarbeiter enormen Druck bei der Umsetzung ausübt und dadurch Stress erzeugt. Einem solchen Manager fehlt es an Selbstvertrauen. Typ III macht etwa 20% aller Manager aus.

Der empathische Leader ist in etwa 15% der Fälle anzutreffen. Er mag es, mit seinem Team etwas zu entwickeln. Er hat eine stabile Persönlichkeit, die es ihm ermöglicht, auch in turbulenten Zeiten die Ruhe zu bewahren. Er kann bewusst mit seinen Gefühlen umgehen. Er ist offen für feed back und investiert sehr viel in konstruktive Beziehungen zu seinen Mitarbeitern. Sein Ego hat kein Problem damit, andere Kollegen aus seinem Team in den Mittelpunkt zu stellen. Dieser Typ hat als einziger ein wahrhaftiges Interesse an anderen Menschen (win-win Lebensszenario). Er coacht gerne und fördert seine Mitarbeiter. Für ihn ist es völlig normal, starke Leute an seiner Seite aufzubauen.

Wenn Sie sich die Beschreibung der vier Typen einmal genauer anschauen, werden Sie feststellen, dass man nicht so einfach von einem zum anderen Typ wechseln kann. Hinter jedem Typ stecken grundsätzlich verschieden ausgerichtete Menschen. Jemandem, der nur an sich selbst denkt (Typ I und II), ist schwer empathisches Verhalten beizubringen, es wirkt dann sehr oft künstlich. Wir merken in solchen Fällen genau, dass die Person nicht authentisch ist. Es bedarf bei den Typen I und II oftmals eines Schicksalschlages, damit sie ihre grundsätzliche Einstellung überdenken. Hierzu zählen eine Krankheit, eine schwere berufliche oder private Niederlage. Ein Wechsel von Typ III nach Typ IV ist schon eher möglich, gerade dann, wenn die Person lernt, sich selbst und dem Leben mehr zu vertrauen. Genau in dieser Konstellation liegen Chancen für ein Coaching. Die Arbeit macht mit Managern vom Typ IV besonders Freude, weil sie sich trotz der großen Anforderungen, die an sie gestellt werden, ihre Menschlichkeit bewahrt haben.

Welcher Typ ist denn bei Ihnen dominant? Wir haben hierzu einen Fragebogen entwickelt, der Ihnen als Orientierung nützlich sein kann. Dieser Fragebogen wird in der nächsten Ausgabe von Debizz veröffentlicht. Selten ist es so, dass wir nur einen Typen in uns haben, es ist fast immer eine Kombination aus mehreren. Welches ist denn Ihre Kombination? Relativ häufig ist die Kombination von Typ II und Typ IV. Ihre persönlichen Ergebnisse sind ein willkommener Ausgangspunkt für eine weiterführende Selbsterforschung.

Dr. Michael Schroeder

Selgrosrot
Romania
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