Konflikte in der Firma besser managen

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Wir alle haben immer mal wieder mit Konfliktsituationen zu tun. Dieser Artikel ist für Menschen geschrieben, der bewusst durchs Leben gehen, sich dafür interessieren, welche Auswirkungen ihr Handeln auf andere hat und sich an gewissen Werten orientieren. Das ist übrigens nicht selbstverständlich, es gibt auch viele Menschen in der Wirtschaft, die überhaupt kein Interesse an ihren Mitmenschen haben, also sehr narzisstisch durchs Leben gehen. Schauen wir uns im folgenden einige Gesichtspunkte an, die Ihnen helfen können, leichter mit Konflikten umzugehen. Seien Sie aufgeschlossen für das, was nun folgt und lehnen es nicht gleich ab, nur weil es ungewöhnlich ist.

Jeder Konflikt ist «in Ordnung»

Jeder Konflikt hat seinen Sinn, auch wenn er Ihnen nicht sofort klar ist. Irgend etwas will sich ausdrücken auf Ihrer Spielwiese des Lebens. Die Meinung der anderen Seite ist legitim, genau wie Ihre. Gerade wenn starke Egos aufeinander stossen, brauchen Sie eine andere Sichtweise. Erkennen Sie einfach an, dass es so ist, ohne rumzuargumentieren. Allein schon die Akzeptanz dessen, was ist, bringt Ruhe, sie bringt eine positive Energie in Ihr Auftreten, egal wie schwierig die Situation ist, das spürt Ihr Gegenüber. Gehen Sie mal davon aus, dass ein zwischenmenschlicher Konflikt immer auch zugleich eine Chance für persönliche Weiterentwicklung und Erkenntnis ist. Gerade durch diese tiefe Akzeptanz dessen, was ist, nehmen Sie negative Energie aus dem Konflikt heraus, sie ebnen den Weg für eine Lösung.

Wie verändert sich Ihre eigene innere Gefühls- und Gedankenwelt?

Spüren Sie in sich hinein. Wie wirkt der Konflikt auf mich? Kann es sein, das jemand genau den Auslöser drückt, der Sie rasend macht? Wie reagieren Sie genau in einer Konfliktsituation, haben Sie Angst, wollen Sie sich zurückziehen, gleich dem anderen Recht geben? Oder tut Ihnen das alles Leid oder werden Sie wütend? All dies sind Anzeichen dafür, mal ein wenig in Ihre eigene Lebens- und Leidensgeschichte zu schauen. Was will mir der Konflikt sagen? Was will bei mir selbst angeschaut werden? Ich weiss, die Frage gefällt unserem Ego nicht so sehr. Überprüfen Sie in diesem Zusammenhang einmal Ihr Lebensszenario. Wir hatten schon in einem früheren Beitrag darüber gesprochen, dass jeder von uns mit einer bestimmten Einstellung durchs Leben geht. Haben Sie eine konstruktive Lebenseinstellung (I am ok, you are ok), können Sie auch anerkennen, dass die andere Seite auch legitime Interessen hat wie Sie oder wollen Sie immer um jeden Preis gewinnen? Das bestimmt grundsätzlich Ihr gesamtes Leben, auch bei Konflikten. Schauen Sie sich also Ihre eigenen Muster an und arbeiten Sie daran; so können Sie viel besser auf die Lösung hinwirken, ohne aus Ihren (limitierenden) Mustern heraus zu argumentieren.

Durch den anderen enspannt hindurchschauen

Wenn Sie sich schon besser kennen und akzeptieren gelernt haben, können Sie einfach mal durch Ihr Gegenüber “hindurchschauen”. Enspannen Sie sich dabei und atmen Sie mehrfach tief durch. Schauen Sie dann einfach wie ein neutraler Beobachter durch die Fassaden und Konditionierungsschichten auf das, was der Kern des Menschen sein könnte, manche nennen es die Seele; aber bitte machen Sie es nicht mit dem Analyseblick eines Psychologen, der nach Problemen Ausschau hält! Denken Sie nicht soviel darüber nach, versuchen Sie es einfach. Ihre Augen fixieren nicht, sondern schauen einfach durch den Menschen durch, mit dem Sie gerade einen Konflikt haben. Was kommen Ihnen dann für Eingebungen? Was sagt die Intuition? Hören Sie dabei nicht so sehr auf Ihren Verstand, der nur kategorisiert und wertet. Sie werden wertvolle Hinweise darauf bekommen, was eigentlich auf der anderen Seite genau los ist, wo der Schuh wirklich drückt. Sie haben nun eine ganz andere Basis geschaffen, diesen Konflikt zu bewältigen, nämlich durch Respekt und Mitgefühl für die Person, die Ihnen da gerade gegenüber steht. Das allein ändert sehr oft schon die Stimmung.

Beobachten Sie, was geschieht, welche Lösungen kommen

Vielleicht werden Sie durch eine neue Offenheit sogar ein Experte für unorthodoxe Lösungen, und zwar dort, wo andere scheitern. Viele Menschen versuchen, Probleme in der gleichen Denkweise zu lösen, wie sie entstanden sind. Sie kennen nur die Vernunft und ihr Ego handelt nur aus den eigenen Erfahrungen heraus, ein Glaubenssatz hat ihnen Scheuklappen aufgesetzt. Wozu führt das? Nehmen wir einmal an, Sie haben einen Mitarbeiter, der auch nach wiederholtem Erklären die Aufgabe, die Sie ihm gestellt haben, nicht zufriedenstellend bearbeitet. Jetzt können Sie weiter Druck machen und ihm gegebenenfalls sogar mit Entlassung drohen, wenn er die Aufgabe nicht bis zu einem bestimmten Termin korrekt erledigt. Sie werden bei Ihrem Mitarbeiter womöglich noch mehr Stress und Angst erzeugen mit dem Ergebnis, dass er noch mehr Fehler macht. Oder schauen Sie folgende Situation an: Eine Mitarbeiterin hat gerade erfahren, dass ihr Partner sie verlassen hat. Sie ist traurig und alle Kollegen im Team spüren das. Die Kollegen versuchen, sie fortwährend aufzumuntern, indem sie ihr nette Sachen erzählen oder sie versuchen abzulenken. Trotz gut gemeinter Ratschläge werden sie wahrscheinlich genau das Gegenteil erzielen. Die Mitarbeiterin wird sich noch schlechter fühlen, weil der Kontrast zwischen dem, was Sie gerade erlebt, und der Welt „da draußen“ noch deutlicher zutage tritt. Ihre Kollegen werden sich daraufhin noch mehr Mühe geben, sie abzulenken, wobei sich die Situation dann nur noch weiter verschlimmert, weil die Verlassene merkt, den Bemühungen der anderen nicht gerecht zu werden. Nehmen wir ein drittes Beispiel, es geht um ein Beziehungsproblem: Sie ist eine Karrierefrau und beruflich viel unterwegs. Er hat eine geregelte Arbeit und will mehr Zeit mit ihr verbringen. Sonst würden sie sich wahrscheinlich trennen müssen, sagt er. Die Frau fühlt sich unter Druck gesetzt und empfindet die mit ihrem Partner verbrachte Zeit immer bedrückender und anstrengender. Ihre Motivation, ihn zu treffen, wird weniger. Sie versucht, sich dem Konflikt zu entziehen, indem sie noch mehr Gründe vorbringt, beruflich unterwegs oder beschäftigt sein zu „müssen“. Dies führt bei ihm natürlich zu weiterer Frustration.

In allen Fällen handelt es sich um „Lösungen erster Ordnung“, wie sie Paul Watzlawick nennt: Es wird versucht, eine Lösung durch die Strategie „Mehr desselben“ zu erzielen, im Ergebnis geschieht jedoch das Gegenteil. „Lösungen zweiter Ordnung“ gehen dagegen neue Wege, die für den normalen Menschenverstand eher überraschend oder sogar paradox klingen. Die Lösungen kommen spontan, sie entziehen sich dem limitierenden Charakter der ersten Lösungsebene, die nur einen Teufelskreis darstellt, und stellen die Situation in einen neuen, weiteren Rahmen. Viele von Ihnen kennen sicherlich die Übung, bei der neun Punkte miteinander verbunden werden müssen, und zwar in genau vier durchgehenden Strichen, ohne jedoch den Stift abzusetzen. Es geht nur, wenn wir uns außerhalb des von den neun Punkten vorgegebenen Rahmens bewegen. Bei diesen Lösungen treten wir also aus den uns bekannten Denkschemata heraus. Genau hier betreten wir die Welt des intuitiven Wissens. Was bedeutet das? Im Fall des Mitarbeiters, mit dem Sie nicht zufrieden sind, könnten Sie, statt auf die Erledigung zu pochen, Ihre eigene Hilfe anbieten: „Was kann ich für Sie tun, damit wir gemeinsam eine Lösung finden?“ Sie können auch einfach den gesamten Druck herausnehmen und sich empathisch mit ihm verbinden, ihm Ihre Wertschätzung zum Ausdruck bringen, wobei das nicht unbedingt mit Worten zu geschehen braucht. Sie könnten ihm auch dafür danken, dass er Sie an eine Situation aus Ihrem eigenen Leben erinnert hat, in der Sie sich ähnlich gefühlt haben. Schon entsteht eine andere Energie zwischen Ihnen beiden und es kann etwas Neues entstehen. Im Fall der traurigen Kollegin könnten die anderen Mitarbeiter eigene traurige Momente ihres Lebens in das Gespräch einbringen und mit ihr gemeinsam der Frage nachgehen, was der tiefere Sinn dieses Vorfalls sein könnte. Eine andere Lösung wäre, einfach nur empathisch zu akzeptieren, was ist, sich danach zu erkundigen, wie es ihr geht, sie sprechen zu lassen und sie ganz normal zu behandeln. Das dargestellte Problem in der Partnerschaft könnte dahingehend aufgelöst werden, dass der Mann einfach aus seinem Muster, sich zu beklagen, aussteigt und sich mehr um seine eigene Entwicklung kümmert, also unabhängiger wird. Es könnte sein, dass er auf einmal für seine Partnerin wieder interessanter wird, weil er einerseits den Druck herausnimmt und andererseits neue Inspiration in die Partnerschaft einbringen kann – ein neues Spiel kann beginnen.

von Dr. Michael Schroeder

Selgrosrot
Romania
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