Leeres Gerede rund um den grünen Profit

Foto: palinchak / depositphotos.com

Wie kann man die Geschäfte so klimafreundlich und verantwortungsbewusst wie mö­glich gegenüber der Natur gestalten? Die wichtigsten Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Medien und Kunst trafen sich auch in diesem Jahr im schweizerischen Davos: 3.000 Teilnehmer aus 117 Ländern der Welt, darunter 53 Staats- und Regierungschefs (unter ihnen: Donald Trump, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, UN-Generalsekretär Antonio Guterres oder IWF-Generaldirektorin Kristalina Georgieva) waren bei der 50. Auflage des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos dabei, um gemeinsam das Rezept für den „grünen Profit” zu entdecken.

Das WEF bekräftigt diese Idee, die aus dem Jahr 1971 stammt, und kündigt ein neues Manifest an (das zweite nach dem des Jahres 1973), das Führungskräfte und Einwohner des gesamten Planeten daran erinnern soll, dass das Geschäftsumfeld allen Interessengruppen (Stakeholders) dienen sollte – Kunden, Mitarbeitern, Gemeinschaften und im gleichen Umfang Aktionären (Shareholders). Das am 2. Dezember 2019 veröffentlichte „Manifest des Weltwirtschaftsforums 2020” hat als Grundlage das „Manifest von Davos” von 1973 und stellt die Vision eines Kapitalismus dar, der faire Besteuerung, Nulltoleranz gegenüber Korruption und die Achtung der Menschenrechte berücksichtigt. In dem angeführten Dokument heißt es: „Das Geschäftsumfeld muss jetzt den Kapitalismus der beteiligten Parteien voll und ganz akzeptieren, was bedeutet, nicht nur den Profit zu maximieren, sondern auch dass seine Kapazitäten und Ressourcen in Zusammenarbeit mit Regierungen und der Zivilgesellschaft eingesetzt werden müssen, um Schlüsselfragen des Jahrzehnts anzugehen. Es muss aktiv zu einer kohäsiveren und nachhaltigeren Welt beitragen“. So machte das Davoser Forum 2020 alle auf das Konzept des Stakeholder-Kapitalismus aufmerksam – der Kapitalismus aller interessierten Parteien.

In einer lang erwarteten Debatte über die Zukunft des Planeten trafen sich die berühmte 17-jährige Aktivistin Greta Thunberg und US-Präsident Donald Trump von Angesicht zu Angesicht. Die junge Aktivistin hat sowohl die Kapitalisten als auch die Politiker scharf kritisiert: „Ihre Nachlässigkeit schürt mit jeder verstreichenden Stunde das Feuer, und wir sagen Ihnen, dass Sie vor allem so handeln müssen, wie Sie Ihre Kinder lieben.” „Klimawandel und Umweltzerstörung sind dank der jungen Menschen, die Alarm schlagen, ein heißes Thema. Es ist ein riesiger Schritt, weil die Menschen viel bewusster sind. (…) Wir müssen anfangen, der Wissenschaft zuzuhören und diese Krise mit der Bedeutung zu behandeln, die sie verdient. Ohne die globale Erwärmung als eine echte Krise zu behandeln, werden wir nichts erreichen. (…) Die Zeit läuft davon und Menschen sterben an den Folgen des Klimawandels”, so Greta Thunberg. An einem völlig entgegengesetzten „Pol” sagte der Anführer aus dem Weißen Haus, die Menschheit müsse die Warnsignale der Wissenschaftler und Umweltaktivisten zum Thema Klimawandel ablehnen.

Im Übrigen bestätigte Davos in diesem Jahr, dass die weltweit führenden Politiker sich nicht über die Art und Weise einig sind, wie die Klimakrise angegangen werden soll und wie Unternehmen und Staaten unverzüglich handeln sollen. Die Meinungsverschiedenheiten zeigten sich auch auf der Ebene der Finanziers, die sich sogar in einem Boxring angespannter Auseinandersetzungen wiederfanden: US-Finanzminister Steven Mnuchin erklärte, Langfristplanung sei nutzlos, um den Klimawandel zu analysieren und zu minimieren. Eine Idee, mit der Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, nicht einverstanden war, die argumentierte, dass das Treffen zwingend nötig gewesen sei, um das vom Klimawandel ausgehende Risiko für die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft erfolgreich abzuwägen, vorauszusehen und zu mindern. Tatsächlich ist der Klimawandel mit der Hälfte der wahrscheinlichsten globalen Risiken verbunden, die im Bericht Globale Risiken des Weltwirtschaftsforums (WEF) genannt werden. Das Risiko extremer Naturereignisse hat laut Antworten der WEF-Mitglieder auf die Umfrage, die den Schlussfolgerungen des zitierten Berichts zugrunde liegt, zitiert von den Medien, zum vierten Mal in Folge den höchsten Wahrscheinlichkeitsgrad. Der Davoser Bericht zeigt, dass das zweitwahrscheinlichste Risiko das Scheitern von Maßnahmen gegen den Klimawandel ist, gefolgt vom Risiko von Naturkatastrophen und dem Verlust an biologischer Vielfalt. Gleichzeitig gehören von Menschen verursachte Umweltkatastrophen zu den Top 5 der wahrscheinlichen Risiken.

Der WEF-Bericht über die globalen Risiken zeigt tatsächlich, dass die Gesellschaft bei ihren Maßnahmen zur Begrenzung des Klimawandels versagt und darüber hinaus die Auswirkungen verstärkt. Laut einer Analyse von cursdeguvernare.ro tritt das Phänomen in einem zunehmend volatilen geopolitischen Umfeld auf, in dem die Staaten durch einseitige Linsen immer mehr bestimmte Chancen und Herausforderungen verfolgen, um neue Machtpositionen zu erlangen. Laut WEF-Präsident Børge Brende steht das Bild der globalen Risiken „in einer Welt, in der sich neue Macht- und Einflusszentren bilden und alte Bündnisse und globale Institutionen auf die Probe gestellt werden, in erheblichem Maße unter dem Einfluss geopolitischer Unruhen”. In diesem Zusammenhang, so Brende, „suchen starke wirtschaftliche, demografische und technologische Mächte nach einem neuen Gleichgewicht”. Und davon hängt das Schicksal der Welt ab. Die Gefahr des Siedens steht unmittelbar bevor, und die Dringlichkeit der Antworten ist dementprechend groß. Menschen auf der ganzen Welt haben das Gefühl, dass die Eliten sie verraten haben, und die Anführer der Welt müssen sich wirklich bemühen, ihre Massen wiederzugewinnen und die Menschheit mit dem Planeten zu versöhnen, den sie bewohnen. Das Davos 2020 muss uns schnell die Formel des „grünen Profits” nennen.

Daniel Apostol

Romania
Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Warum bauen wir, um wieder aufzubauen?

Phönix, der Vogel, der aus seiner eigenen Asche wiedergeboren wird, ist einer der mächtigsten, wenn nicht der mächtigste Mythos der...

Schließen