Notre drame ist nicht Notre Dame

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Unser größtes Drama sind nicht die Hunderte von Millionen Euro, die von Unternehmen für die Reparatur der Kathedrale Notre Dame gespendet worden sind, sondern die Tatsache, dass wir mehr daran interessiert sind, wofür andere Leute ihr Geld ausgeben, als daran, was mit unserem Geld geschieht. Mehr als 10 Milliarden Euro befinden sich in privaten Rentenfonds der Säule II und die meisten Rumänen wissen weder welche die Fonds sind, die ihr Geld verwalten, und nicht einmal, wie viel Geld sie auf ihrem Konto haben. Und das ist noch nicht alles. Über 18 Milliarden Euro sind auf Girokonten geparkt, ohne irgendeinen Wert zu erzeugen.

Die Tragödien offenbaren zwei Dinge: Was schlecht ist und nicht so gelaufen ist, wie es sollte, und das Schlechteste in uns, von dem wir nicht gewusst haben, dass es existiert. Die Flammen, in denen nicht nur ein Symbol Frankreichs, sondern der Menschheit, aufgegangen ist, haben offenbart, was in uns sowohl am Besten als auch am Schlimmsten ist.

Die Reaktion der Unternehmen mit starken französischen Wurzeln, der internationalen Konzerne und sogar der rumänischen Unternehmen (siehe Fall UiPath), die sich dazu entschieden haben, beeindruckende Beträge zu spenden, hat für einige eine selektive Großzügigkeit gezeigt, während das anderen gezeigt hat, was Solidarität bedeutet. In sozialen Netzwerken hat der Pariser Brand die Gemüter entfacht und hat die Mobilisierung nach dem Ereignis in zwei große Kategorien geteilt. Einige, die die Reaktion von Unternehmen und Gesellschaften für natürlich hielten, und andere, die genau diese Art von Verhalten verurteilten.

Was in jedwelchem der beiden Fällen überraschend ist, ist die Lässigkeit, die Benutzer von Social Media demonstrieren, und die Geschwindigkeit, mit der sie zu Beurteilern von menschlichen Emotionen und Reaktionen werden. Es ist fast unwahrscheinlich, wie leicht es heutzutage ist, öffentliche Urteile darüber abzugeben, was der eine oder andere „zu fühlen hat” oder wie einige Unternehmen oder andere „zu reagieren haben”.

Wenn wir das Geschehen in Paris aus finanzieller Sicht betrachten, das Verhalten, das wir auf individueller Ebene haben, stellen wir fest, dass wir uns auf die Art und Weise, wie wir unser Geld ausgeben, plötzlich nicht mehr so kategorisch beziehen. Warum? Weil es anscheinend einfacher und weniger anstrengend ist, auf die eine oder andere Weise darüber zu reden, wie andere entscheiden, Geld auszugeben, als zu sehen, wie wir unser eigenes Geld ausgeben.

Unser Drama, das der Rumänen im Allgemeinen, ist nicht das, was in Notre Dame passiert ist. Wir leben jeden Tag ein Notre Dame, jedes Mal, wenn wir unsere Zukunft im Feuer der Gleichgültigkeit und Nichtanteilnahme verbrennen lassen. Warum sollten wir bessere Manager sein, wenn wir nicht in der Lage sind, pro Monat 100 Lei für den Aufbau unserer Zukunft bereitzustellen? Warum sollten wir wohlhabender sein, wenn uns unsere Finanzen nicht interessieren? Von der Gründung und bis zum Ende des Jahres 2018 ist der durchschnittliche Gewinn der Rentenfonds der Säule II in Höhe von 127% gewesen, und das bei einer jährlichen Rendite von 8%. Das sind die wenigen Zahlen, die wir auswendig kennen sollten, nicht die gespendeten Summen für Notre Dame.

Und das ist nicht alles. Über 18 Milliarden Euro sind auf Girokonten geparkt, ohne irgendeinen Wert zu erzeugen. Das Drama der Rumänen ist nicht das, dass sie kein Geld haben, sondern das, dass das Geld, das sie haben (viel oder wenig), nicht für Projekte oder Instrumente eingesetzt wird, die langfristig mehr Wert erzeugen.

Florin Cepraga, Senior PR Specialist, Bukarester Börse

Romania
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