Nur fünf Emittenten schafften es vom Rasdaq zum BVB

Am 27. Oktober wurde ein Teil der rumänischen Börse abgeschaltet: Der Rasdaq-Markt beendete friedlich seine Existenz. Dabei waren noch hunderte Emittenten am Markt – was ist aus ihnen geworden?

Das Ende des Rasdaq-Marktes war genau ein Jahr zuvor beschlossen gewesen. Das entsprechende Gesetz Nr. 151/2014 hatte den erklärenden Namen „zur Klärung des juristischen Status der Aktien, die am Rasdaq Markt oder am Markt für nicht notierte Anteile gehandelt werden“. Es klärte tatsächlich einen unklaren Sachbestand eines Aktienmarktes, der 1996 mithilfe der US-amerikanischen Entwicklungsagentur USAID gegründet wurde. Daher mutet auch der Name so amerikanisch an, er wurde in Anlehnung an die New Yorker NASDAQ Börse gewählt. Das rumänische Pendant, das nie ein solches wurde, sollte der Umschlagplatz der durch die berühmte Massenprivatisierung frei gewordenen Aktien werden, deren Emittenten nicht die strengen Zulassungsvorgaben des Hauptmarktes BVB erfüllten. Das erklärt, warum der Rasdaq Markt zeitweilig höhere Umsätze als der Hauptmarkt auswies. Der Markt blieb bis zum politischen Beschluss zur Zusammenlegung der beiden Börsen 2005 ein Umschlagplatz mit lockereren Regeln.

Nur fünf schafften es zur BVB

Als das Ende des Rasdaq beschlossen wurde, waren noch etwa 900 Emittenten am Markt. Sie haben ein Jahr Zeit bekommen zu entscheiden, ob sie sich vom Markt zurückziehen oder ihre Geschäftstätigkeit über den Kapitalmarkt finanzieren lassen. Nach Abschluss dieser Bedenkzeit hatten sich 311 Emittenten zum Weitermachen entschlossen. 562 Unternehmen hat die Finanzaufsichtsbehörde ASF vom Handel zurückgezogen. Wirklich erfolgreich war der Wechsel vom Rasdaq Markt jedoch nur für fünf Unternehmen: der Molkereibetrieb Albalact (ALBZ, ISIN ROALBZACNOR0), der Flugzeugbauer IAR (IARV, ISIN ROIARVACNOR1), der Betonfertigteile-Hersteller Prebet (PREB, ISIN ROPREBACNOR0), der Messinstrumente – Hersteller Mecanic? Fin? (MECE, ISIN ROMECEACNOR3) sowie der Hersteller von Glasfaserkabeln Romcab (MCAB, ISIN ROMCABACNOR7).

271 Unternehmen mit einer Kapitalisierung in Höhe von 4,34 Milliarden Lei vollzogen den Wechsel zur alternativen Handelsplattform des BVB, ATS, und 35 Unternehmen lassen ihre Aktien nun auf der kleinen Börse Sibex in Sibiu/Hermannstadt handeln. Die ATS Plattform tritt somit die Nachfolge des Rasdaq Marktes an, die dort gelisteten Emittenten müssen – wie auch beim Rasdaq – nicht dieselben Anforderungen erfüllen wie die am BVB gelisteten Unternehmen.

Für den rumänischen Kapitalmarkt wird die Schließung des Rasdaq-Marktes eine bereinigende Funktion gehabt haben. Die 562 vom Markt genommenen Unternehmen haben laut ASF 4.419 Aktionäre für insgesamt 123,08 Millionen Lei ausbezahlt. Die wenigsten von ihnen hatten noch Umsätze am Rasdaq-Markt generiert. Die Aktion verlief alles andere als reibungslos, die rumänische Finanzaufsicht hat 263 Strafprotokolle aufgestellt und Emittenten Geldstrafen in Gesamthöhe von 1,52 Millionen Lei auferlegt. Die Bukarester Börse hat von dieser Aktion eher wenig: Die fünf ehemaligen Rasdaq-gelisteten Unternehmen, die nun an der BVB gehandelt werden, haben eine Gesamtkapitalisierung von nur 458 Millionen Lei.

von Markus Kleininger

Kremsmuellerrot
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