Rumäniens Bankwirtschaft: Rekordgewinne, komplizierte Aussichten

Industria bancara
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Der Bankensektor hat auch im Jahr 2017 einen ausgeprägten Prozess der Leistungsverbesserung durchgemacht und schloss letztes Jahr mit dem höchsten Gewinn der jüngeren Geschichte ab – über 5,4 Milliarden Lei, was etwa 30% mehr gegenüber 2016 (4,3 Milliarden Lei) entspricht und höher lag als das bisherige Rekordjahr 2008. Es ist eigentlich das dritte Jahr in Folge mit positiven Ergebnissen.

Im Vergleich zum Dezember 2016 stiegen im Dezember 2017 nach Angaben der Zentralbank die Gesamtnettovermögen der Banken von 394 auf 427 Milliarden Lei. Der Solvabilitätsindikator verschlechterte sich leicht von 19,7% auf 18,7%. Der Anteil wertgeminderter Forderungen verringerte sich in allen Bereichen: an den Gesamtkrediten von 4,89% bis 3,01%; an der Bilanzsumme von 2,67% bis 1,63%, und an der Gesamtverschuldung von 2,98% auf 1,82%. Vermögensrendite (von 1,08% auf 1,32%) und Eigenkapitalrendite (von 10,4% auf 12,7%) verbesserten sich. Leicht verringerte sich auch das Leverage – das Verhältnis zwischen Eigenmitteln und Vermögen – von 8,9% bis 8,3%, wobei das Eigenkapital von 40,8 bis 44,8 Milliarden Lei stieg. Ein weiteres wichtiges Ergebnis ist, dass die Quote notleidender Kredite (NPL) in diesem Zeitraum von 9,6% bis 6,4% zurückging.

Im Jahr 2017 haben die Banken die Anzahl ihrer Filialen abgebaut. Von 4757 blieben 4555; die Zahl der Mitarbeiter verringerte sich um 350 auf knapp über 55 Tausend. Die Digitalisierung ist allgegenwärtig. So investieren Banken verstärkt in mobile und online Banking, in Selbstbedienungsfilialen und künstliche Intelligenz, zum Beispiel Chat-Bots, mit denen Kunden in Echtzeit miteinander kommunizieren können.

Haupttreiber der Bankgewinne war 2017 das Kreditgeschäft: Anleihen an private Haushalte stiegen um fast neun Milliarden Lei auf 122 Milliarden Lei, davon 54 Milliarden für den Konsum. Kredite an Unternehmen kamen von weniger als 102 auf 104 Milliarden Lei. Gemeinsamer Trend für alle Arten von Leihgeschäften war der rückläufige Anteil der Fremdwährungskredite. Um über fünf Prozent nahm auch das Kreditgeschäft mit dem Staat zu, das Ende des letzten Jahres auf knapp 100 Milliarden Lei stand.

Die Gewinne verteilen sich nicht gleichmäßig auf die 35 Banken im System, den größten Teil – mehr als vier Milliarden Lei – erwirtschafteten zusammen nur fünf der Geldhäuser.

Den größten Gewinn registrierte die BRD Groupe Société Générale: 1,4 Milliarden Lei, über 85% mehr als 2016. Die Bank ist die drittgrößte in Rumänien und hat ein Gesamtvermögen von rund 55 Milliarden Lei.

An zweiter Stelle nach ihrem Gewinn kam Banca Transilvania, mit fast 1,2 Milliarden Lei. Die Gesamtvermögen stiegen auf fast 60 Milliarden Lei, 15% mehr als im Jahr 2016.

BCR, die größte Bank in Rumänien mit einem Vermögen von über 70 Milliarden Lei, landete erst an dritter Stelle, mit 668 Millionen Lei netto. In der Tat fiel der Nettogewinn der BCR, die Teil des österreichischen Erste-Konzerns ist, niedriger als 2016 aus, als er bei einer Milliarde Lei lag. Das operative Ergebnis war immerhin höher als im Vorjahr.

Mit einem Ergebnis von über 490 Millionen Lei, im Vergleich zu 2016 um 4% höher, ist ING Bank die viertgrößte Bank in puncto Gewinn. Die Niederländer haben stark auf Kredite gesetzt und ihr Vermögen um über 20% gegenüber dem Vorjahr auf 33,5 Milliarden Lei verbessert. ING liegt an sechster Stelle in der Rangordnung der Banken nach dem Nettovermögen.

Auch die Raiffeisen Bank hatte einen Nettogewinn von über 490 Millionen Lei im Jahr 2017 – 9% mehr als im Vorjahr. Das Vermögen der Bank stieg um 8% erhöht und überschritt 36 Milliarden Lei. Die Bank liegt auf dem fünften Platz im Vermögensranking.

2018 wird ein schwieriges Jahr für die Banken in Europa und damit auch für die rumänischen.

Sie müssen sich auf der einen Seite an bestimmte Änderungen des Rechtsrahmens anpassen. In Kraft treten neue Regeln für den Schutz personenbezogener Daten. Die Datenschutz-Grundverordnung muss nicht erst in nationales Recht umgesetzt werden und gilt ab dem 25. Mai 2018 unmittelbar auf dem gesamten Gebiet der EU. Die Banken, die sich nicht daran halten, riskieren Geldbußen in Höhe von ab 10.000 Euro und bis zu 4% des Umsatzes. Die neuen Bestimmungen erfordern Änderungen an der Vertraulichkeit persönlicher Daten und verstärken praktisch die Rechte der Menschen, über ihre eigenen Daten zu verfügen. Darüber hinaus müssen Banken gewährleisten, dass die Daten ordnungsgemäß geschützt werden; findet ein darauf Angriff statt, muss er an Behörden und in einigen Fällen sogar an die jeweiligen Personen gemeldet werden.

Zudem müssen die Banken der sogenannten PSD2 Rechnung tragen, also der erweiterten europäischen Zahlungsdiensterichtlinie. Im Wesentlichen setzen die neuen Vorschriften dieser Richtlinie die Banken einem im Vergleich zu den heutigen Zuständen offeneren Wettbewerb aus. Eine Person kann zum Beispiel sein Geld auf einer Bank halten, darf aber den Zugriff auf das Geld einem anderen Finanzdienstleister einräumen und die Bank ist verpflichtet, den Zugang zuzulassen.

Mit anderen Worten sollen die Banken vorsichtiger mit den Daten ihrer Kunden sein, aber auf der anderen Seite sind sie verpflichtet, solche Daten an Dritte bereit zu stellen, wenn das gewünscht wird. Keine angenehme Situation, aber die Banken arbeiten in einem streng regulierten Sektor und sind an den Compliance-Druck gewöhnt.

Andererseits zwingen die neuen Technologien die Banken, sich neu aufzustellen. Das führt auch zur Schließung von Filialen und Personalrestrukturierungen. Positiv dabei ist, dass das florierende Geschäft wahrscheinlich eher zu Versetzungen und Umschulungen führen wird als zu massiven Entlassungswellen. In den letzten 10 Jahren hat die Branche etwa zehn Tausend Beschäftigte verloren, doch die Kündigungen fanden insbesondere in den Jahren der Krise statt.

Abgesehen von den technischen Herausforderungen finden in Rumänien aber auch Grundsatzdebatten statt, die die Banken in den Kernaspekten ihres Geschäfts berühren könnten. Die höheren Löhne und die entspannte Steuerpolitik förderten den Verbraucherappetit und die Zentralbank sieht mit Besorgnis die jüngsten Entwicklungen, einschließlich der Tatsache, dass einige Leute den Banken immer mehr schulden. Schon seit letztem Jahr begann die Zentralbank die Deckelung der Verschuldung zu prüfen. Für Kreditnehmer mit geringerem Einkommen würde nach unterschiedlichen Quellen ein Verschuldungsniveau von 35% – 55% des Verdienstes in Frage kommen – dieses Niveau würde mit steigendem Einkommen höher angelegt. Auf einer Veranstaltung zu Immobilienfragen meinte ein hoher Verantwortlicher der BNR Anfang März, dass Menschen mit den niedrigsten Einkommen die höchsten Kosten für Wohnraum tragen – rund 45 Prozent des verfügbaren Einkommens gehen für Mieten oder Raten für Immobilienkredite auf. Ein anderer Verantwortlicher sprach im Herbst letztes Jahres an, dass bei Menschen im unteren Einkommensdrittel der Anteil der Schulden an den verfügbaren Einkommen bei fast 70% liegt. Und trotz der Tatsache, dass die Zinsen zu steigen beginnen, nimmt der Appetit auf Darlehen – auch Immobilienkredite, die langfristiger und damit riskanter sind – offenbar nicht ab. Im Gegenteil: nachdem der Staat das Programm Prima Casa neu aufgelegt hat, bei der er die Hypothekenbürgschaft übernimmt, wurden 5% des Garantiefonds in nur zwei Wochen erschöpft.

Nach einem Rückgang im Dezember 2017, ist im Januar 2018 die Anzahl der Schuldner um fast 3,3% gestiegen. Rückstände von mehr als 90 Tagen summierten sich auf 4,3 Milliarden Lei. Die Begrenzung der Verschuldung ist keine beschlossene Angelegenheit, sie wird im Nationalen Ausschuss für Macroprudentielle Aufsicht noch diskutiert.

Experten des IWF warnten bei ihrem letzten Besuch in diesem Monat, dass Banken Risiken durch das Engagement auf dem Immobiliensektor und die Anlagen in Staatsschulden Rumäniens ausgesetzt sind. Der IWF empfiehlt eine Begrenzung des Anteils der Verschuldung am Einkommen bei Hypothekarkrediten, was die Risiken der Banken abfedern würde.

Nur reden über Schulden und Zinsen nicht nur Experten, sondern auch Politiker. Und sie überlegen sich eine viel drastischere Lösung – die Zinsdeckelungen. Eine Gesetzesvorlage beschränkt die effektiven Jahreszinsen für Immobilienkredite auf das 2,5-fache des BNR-Leitzinses und für Konsumkredite auf 18% – und sie hat den Senat bereits mit großer Mehrheit passiert. Der Urheber des Entwurfs, Daniel Catalin Zamfir (PNL) sagte im Parlament, dass es solche Limits in vielen Staaten gibt und dass Banken rumänische Kunden „lang genug abzocken” durften. Weitere Projekte betreffen die Begrenzung der übertragenen Forderungen und die Aufhebung der Vollstreckbarkeit bei Leasingobjekten.

Auf der anderen Seite des Grabens stehen Banken den Absichten von Politikern skeptisch gegenüber. Der Haupteffekt könnte sein, dass weniger Kredite vergeben werden, sagen sie. Der Rumänische Bankenverband ABR und die Arbeitgeberschaft Rumänischer Banken legten eine von KPMG erstellte Auswirkungsstudie vor, die die möglichen Folgen solcher Regeln erforscht. KPMG-Analysten haben errechnet, dass bei niedrigen Leitzinssätzen der resultierende maximale Zinssatz für Hypothekarkredite für die Banken nicht tragbar ist, und dass bei höheren Leitzinssätzen die Deckelung bei Niveaus stattfindet, die für Marktzustände nicht mehr relevant sind. Für die Wirtschaft könnten die Konsequenzen ernst sein, befürchtet KPMG. Im schlimmsten Fall, bei dem die Kredite an Unternehmen und private Haushalte um 5% abnehmen, würde der Verbrauch um 2,19% (10,5 Milliarden Lei) fallen, während das BIP um mehr als 22 Milliarden oder 2,84% schrumpfen würde. Aus diesem Grund verlangen die beiden Organisationen mehr Zeit, um die Auswirkungen der vorgeschlagenen Gesetze zu diskutieren.

Und auch der IWF warnt, dass die Deckelung der Zinsen die finanzielle Stabilität beeinträchtigen würde.

von Alex Gröblacher

Romania
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