Sebastian Metz, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der AHK Rumänien: „Der bilaterale Handel wird weiter steigen und die deutschen Investitionen werden weiter geführt”

Deutschland ist Rumäniens wichtigster Handelspartner und der Handelsaustausch zwischen den beiden Ländern konnte 2016 noch einmal deutlich zulegen. Welches sind die wichtigsten Faktoren, die die positive Dynamik der bilateralen Handelsbeziehungen unterstützen?

Die aktuellen Statistiken zeigen tatsächlich, dass Deutschland Handelspartner Nr. 1 für Rumänien bleibt. Die Einfuhren aus Deutschland lagen 2016 bei 13,8 Mrd. EUR (+10,5%), die Ausfuhren beliefen sich auf 12,3 Mrd. EUR (+14,6%). Insgesamt betrug das Handelsvolumen zwischen den beiden Staaten somit 26,1 Mrd. EUR (+12,4%), das entspricht über 20% des gesamten rumänischen Außenhandels – Tendenz steigend.

Ein wichtiger Faktor für diese positive Dynamik ist der Anstieg des verfügbaren Einkommens für die Bevölkerung, weil dadurch der Konsum steigt. Durch die Reallohnzuwächse – vor allem im staatlichen Sektor – ergeben sich auch für deutsche Unternehmen weitere Absatzchancen, besonders für die Handelsunternehmen. Wünschenswert wäre, dass der Anstieg des Binnenkonsums mit dem Anstieg der Investitionen der Unternehmen einhergeht.

Deutschland, als Technologieführer für Maschinen und Anlagenbau, kann davon profitieren, denn weitere anhaltende Investitionen am rumänischen Standort sind dringend notwendig. Durch Technologie- und Know-How-Transfer leisten deutsche Unternehmen einen wesentlichen Beitrag zur nationalen Bruttowertschöpfung und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Diesem Aspekt, der Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der rumänischen Unternehmen, muss seitens des Staates mehr Aufmerksamkeit beigemessen werden.

Welches ist die AHK-Prognose betreffend der Entwicklung des bilateralen Handels in diesem Jahr?

Der Handel zwischen Deutschland und Rumänien wird dieses Jahr weiter steigen, auch die deutschen Investitio­nen werden weiter geführt. Das Interesse an Rumänien
in Deutschland ist weiterhin groß. Entsprechend den AHK-Konjunkturumfragen ist das Niveau hinsichtlich der Zufriedenheit der Standortwahl – auch im Vergleich zu anderen osteuropäischen Ländern – durchaus erfreulich, jedoch werden auch zahlreiche Herausforderungen aufgelistet, die aktiv angegangen werden müssen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes weiter zu gewährleisten. Der große Nachholbedarf, der weiterhin in vielen Bereichen besteht, und die positive wirtschaftliche Entwicklung des Landes eröffnen besonders für deutsche Unternehmen interessante Geschäftsmöglichkeiten.

Wie können die ausländischen Investitionen in Rumänien stimuliert werden und was erwarten deutsche Unternehmen von den rumänischen Behörden?

Handlungsbedarf besteht bei der Verbesserung der staatlichen Verwaltungskapazitäten zum Beispiel im Bereich der Vergabepraxis von öffentlichen Ausschreibungen sowie auch was die Berechenbarkeit der Fiskalpolitik und die Fortsetzung des bisher erfolgreich durchgeführten Kampfs gegen die Korruption im Land angeht.

Das Problem Fachkräftemangel bleibt akut und verstärkt sich immer weiter. Der IT Bereich, aber auch andere Bereiche sind davon betroffen, dass sie kein geeignetes Personal finden.

Vorhersehbarkeit, Stabilität, Transparenz und Rechtssicherheit sind von übergeordneter Bedeutung, um das Vertrauen in den Standort aufrecht zu halten, um weitere Investitionen zu planen und umzusetzen und damit Geschäftsaktivitäten zu einem nachhaltigen Erfolg führen.

In unserem Geschäftsalltag nehmen wir außerdem wahr, dass Rumänien
häufig den deutschen Unternehmen unbekannt ist. Die Sichtbarkeit
Rumäniens in der internationalen Wirtschaftscommunity zu steigern, muss weiterhin für die zuständigen Stellen ein wichtiges Ziel sein.

Welche Rolle hat die AHK Rumänien in der Entwicklung der bilateralen Beziehungen und welches sind die wichtigsten Projekte der AHK im Jahr 2017?

Mit ihrem Leistungsangebot und ihren Veranstaltungen unterstützt die AHK Rumänien aktiv deutsche Unternehmen bei ihrem Markteintritt und Standortaufbau in Rumänien und ist zugleich ein Partner für rumänische Unternehmen mit Interesse am deutschen Markt.

Die AHK Rumänien widmet sich aktiv der Implementierung des dualen Berufsbildungssystems nach deutschem Vorbild und betreibt eine eigene GreenTech Initiative, econet romania, sowie ein eigenes Ständiges Schiedsgericht. Das sind auch die Projekte, denen wir dieses Jahr eine besondere Aufmerksamkeit schenken. Wir möchten unsere Green-Tech-Initiative econet romania durch Fachkonferenzen und Networking-Veranstaltungen weiter stärken, aber auch durch den neuen Look der Internetseite www.econet-romania.com, die Informationen rund um Energie und Umwelt bietet. Außerdem haben wir innerhalb der AHK Arbeitsgruppen zu den Themen Umwelt/Abfallwirtschaft und Energie aufgebaut, die sich regelmäßig treffen und ihre Lösungsansätze zu den jeweiligen Themen in Positionspapieren veröffentlichen.

Was das Schiedsgericht bei der AHK Rumänien betrifft, haben wir für alle Interessenten eine Broschüre in deutscher und rumänischer Sprache verfasst, die diese Alternative zum rumänischen Justizsystem näher erläutert. Im Herbst möchten wir zu einer Fachveranstaltung zum Thema einladen und hoffen dadurch auch stärker das Interesse der Privatwirtschaft für das Schiedsgericht bei der AHK zu gewinnen.

Auch das Thema Berufsbildung liegt uns am Herzen. Das Edupro-Team ist einerseits im aktiven Dialog mit dem Bildungsministerium und den zuständigen Behörden, um eine Verbesserung der Rahmenbedingungen in die Wege zu leiten und andererseits möchten wir uns als Bildungsdienstleister mit einem maßgeschneiderten und interessanten Aus- und Weiterbildungsprogramm an die Unternehmen richten.

Durch unsere Mitgliederevents bieten wir einen geeigneten Rahmen für Informationsaustausch und sind auch mehrmals im Jahr regional präsent. Wir hoffen sehr, dass wir durch unser Angebot weitere Mitglieder gewinnen können.

Besuchen Sie uns auf
www.ahkrumaenien.ro und auf Facebook/ahkromania!

Ein Interview von Ioan Dornescu

Kremsmuellerrot
Romania
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