Sibiu – westlicher vom Osten

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Schon seit dem XVIII. Jahrhundert beginnt der Gouverneur von Siebenbürgen, Samuel von Brukenthal, seine Sammlungen von Gemälden, Antiquitäten und seltenen Büchern zu sammeln, die er in dem Museum ausstellt, das heute noch seinen Namen trägt. Als Architekturdenkmal im österreichischen Barockstil ist das Museum 1817 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden und ist heute ein Anziehungspunkt Sibius. Sibiu hat es seit der Zeit Brukenthals geschafft, nicht nur Kunstwerke zu sammeln, sondern vor allem nationales und sogar internationales Prestige. Sibiu, die europäische Kulturhauptstadt im Jahr 2007, war in diesem Jahr die „politische und touristische Hauptstadt” der Europäischen Union, in der anlässlich des rumänischen EU-Ratsvorsitzes das Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs stattgefunden hat.

Die Leistungen der letzten Jahre platzieren Sibiu im Ranking der Kreise mit den größten Beiträgen zum Bruttoinlandsprodukt Rumäniens. In einem Ranking der Kreise aus den verschiedenen Regionen des Landes belegt Sibiu laut cursdeguvernare.ro den 10. Platz auf nationaler Ebene, nach dem von der Nationalen Kommission für Strategie und Prognose erstellten Beitrag zum BIP Rumäniens. In diesem Ranking kann man die Anwesenheit von je zwei Landkreisen im Fall der Region Süd (Prahova und Arge?) und der Region Zentrum (Bra?ov und Sibiu), einerseits, und die Anwesenheit eines einzigen Kreises aus den anderen Regionen, beispielsweise Ia?i und Dolj, bemerken.

Die Wirtschaft der Stadt Sibiu ist ziemlich ausgeglichen, wie eine Monographie des Landkreises zeigt. Die lokale Wirtschaft ist auf die Tätigkeit in den Bereichen Industrie, Handel, Tourismus, Erzeugung und Lieferung von Strom, Wärme, Gas, Warmwasser und Klimaanlagen, Transport und Lagerung sowie Hotels und Restaurants ausgerichtet (der Landkreis verfügt über Urlaubsorte mit Thermalwasser, Skigebiet, viele Touristen). Der Kreis Sibiu ist ein wichtiges Verwaltungszentrum im Zentrum des Landes, reich an Humanressourcen und materiellen Ressourcen, mit ausgebildeter Arbeitskraft. Sibiu zieht viele ausländische Investitionen an und verfügt über bedeutendes Potenzial im Bereich Tourismus und Autoteileindustrie, im Kontext, in dem viele nach Deutschland ausgewanderte Deutschstämmige zurückgekehrt sind und hier investiert haben. Das riesige Wachstumspotenzial in den erwähnten Bereichen ist auch der Positionierung des Kreises auf der Achse Bucures?ti – Timis?oara – Budapest – Bratislava – Wien zu verdanken, die mit der Fertigstellung der Autobahnen Bucures?ti – Pite?ti – Râmnicu Vâlcea – Sibiu – Curtici und Bucures?ti – Bras?ov – Sibiu – Oradea – Bors?, die Hauptstadt und damit auch Sibiu mit den großen europäischen Hauptstädten verbinden wird.

Im Zeitraum zwischen 2013 – 2017 ist das BIP in absoluten Zahlen für die gesamte Volkswirtschaft von 637.456 Millionen Lei auf 858.333 Millionen Lei gestiegen – ein nominales Wachstum von 34,6% und eine durchschnittliche Wachstumsrate von rund 6,9% pro Jahr. Und das in der Region Zentrum erzielte BIP ist im untersuchten Zeitraum nominal um 37,1% von 70.503 Millionen Lei im Jahr 2013 auf 96.703 Millionen Lei im Jahr 2017 (7,43% Jahresdurchschnittsrhythmus) gestiegen. Im Kreis Sibiu lag das Wachstum bei 40,8%, sowohl über dem nationalen als auch dem regionalen Durchschnitt, wobei der durchschnittliche jährliche Wachstumsrhythmus 8,16% betrug. Der BIP-Anteil des Kreises Sibiu an der Gesamtwirtschaft ist von 2,15% im Jahr 2013 auf 2,08% im Jahr 2014 zurückgegangen, danach ist er im Jahr 2017 auf 2,24% gestiegen.

Den statistischen Daten zufolge ist das BIP des Kreises Sibiu höher als der Durchschnitt pro Region und Land (das Niveau ist höher als das regionale), und zwar dank der Entwicklung der nationalen Wirtschaftszweige, die die Arbeitskraft und die natürlichen Ressourcen besser nutzen und einen wichtigen Teil der Produktion exportieren. Im Rahmen der Kreiswirtschaft nehmen, dem Umsatz nach zu urteilen, Industrie (insbesondere die verarbeitende Industrie), Handel, Transport und Lagerung, Baugewerbe, Immobilientransaktionen, Finanzvermittlung und Versicherungen den Hauptplatz ein.

Im Jahr 2016 gab es im Landkreis 11.160 aktive Einheiten, von denen die meisten im Groß- und Einzelhandel tätig sind, gefolgt von Immobilientransaktionen, Finanzvermittlung und Versicherungen, professionellen wissenschaftlichen und technischen Tätigkeiten, Verwaltungsdienstleistungen und Unterstützungsdienstleistungen, gefolgt von denen aus den Bereichen Industrie, Baugewerbe, Transport und Lagerung, Hotels und Restaurants usw.

Außenhandel

Im Zeitraum 2012 – 2016 hat die Außenhandelsaktivität (ausgedrückt in Millionen Euro) ein relativ deutliches Wachstum verzeichnet. So ist der Wert der Exporte von 1.825,2 Millionen Euro im Jahr 2012 auf 2.692,6 Millionen Euro im Jahr 2016 (+ 47,5%) gestiegen und der Wert der Importe von 1.735,4 Millionen Euro im Jahr 2012 auf 2.065,3 Millionen Euro im Jahr 2016 (+ 19,1%). Der Anteil der Exporte aus dem Landkreis Sibiu an den gesamten Exporten des Landes ist in den Jahren 2012 – 2013 konstant geblieben und in den darauffolgenden drei Jahren angestiegen. Die Importe sind im untersuchten Zeitraum gestiegen, der Wachstumsrhythmus war jedoch geringer als die der Exporte und der Wachstumsrhythmus der Importe je Land, was zu einer Verringerung ihres Anteils an den Gesamtimporten am Ende des Zeitraums geführt hat. In diesem Zusammenhang war die Außenhandelsbilanz im Überschuss. Der Überschuss ist während des gesamten untersuchten Zeitraums von Jahr zu Jahr von 89,8 Millionen Euro im Jahr 2012 auf 627,2 Millionen Euro gestiegen, was einem Wachstum von fast 600% entspricht.

Die Unternehmen, die im Landkreis Sibiu erfolgreich Exportvolumen erzielen, sind Continental AG, Marquardt Schaltsysteme SCS, Takata, Benrom, NTN-SNR Rulmen?i, Simea, Faurecia Seating T?lmaciu, Kromberg & Schubert Roma?nia ME, Compa und Kendrion Automotive.

Andererseits stammen die wichtigsten Investoren aus dem Kreis Sibiu aus Ländern wie Deutschland, Österreich, Frankreich, Holland, der Schweiz, Belgien, Italien, Ungarn oder Griechenland. Die Haupttätigkeitsbereiche, in denen ausländische Investitionen getätigt worden sind, sind der nicht spezialisierte Großhandel mit Lebensmitteln, die Herstellung von Teilen, Baugruppen für Fahrzeuge, der Groß- und Einzelhandel mit Arzneimitteln, Milchprodukten, Holzwerkstoffen, die Herstellung von Grundchemikalien, Herstellung von Holz- und Kunststoffprodukten, Herstellung von Computern und Peripherieprodukten, Herstellung von elektronischen Bauteilen für Autos, Herstellung von Gummi-, Kalk- und Gipserzeugnissen, Straßengüterverkehr oder Tourismus und Hotellerie.

Die von PIAROM durchgeführte Studie „Das Rumänische Privatkapital, IV. Auflage” bringt jedoch auch eine kritische Bemerkung, die das gestiegene Entwicklungspotenzial Sibius im Bereich der Heranziehung von ausländischem Kapital hervorhebt: Trotz der Wahrnehmung, dass der Landkreis Sibiu von massiven ausländischen Investitionen profitiert und aus wirtschaftlicher Sicht sehr dynamisch ist, zeigen die Zahlen ein Wachstum des Umsatzes der Unternehmen des Kreises von nur 9% zwischen 2014 und 2017, weniger als die Hälfte im Vergleich zum durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 24%.

Laut www.turnulsfatului.ro und den von der Arbeitsaufsicht übermittelten Daten stellen von den insgesamt 12.065 aktiven Arbeitgebern, die am 1. März 2019 im Kreis Sibiu angemeldet waren, 83% Kleinstunternehmen, 12,6% Kleinunternehmen, 2,9% mittlere Unternehmen und 0,68% große Unternehmen dar. Obwohl die großen Unternehmen nur einen geringen Prozentsatz in Verhältnis zu der Gesamtzahl der aktiven Arbeitgeber im Landkreis Sibiu ausmachen, spielen sie auf dem Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle, da 60.454 der aktiven Arbeitnehmer – etwa 42% – Angestellte dieser Unternehmen sind.

Geschäfte in Sibiu auf dem Luftweg

Eine Stärke des Verkehrs auf Kreisebene ist der Internationale Flughafen Sibiu, der sich im Besitz des Kreisrats befindet und an der Autobahn DN1 liegt, 6 km westlich vom historischen und administrativen Zentrum der Stadt Sibiu. Derzeit bietet der Flughafen direkte interne Verbindungen nach Bukarest und Timis?oara sowie externe Verbindungen nach Deutschland, Österreich, Spanien, England, der Türkei und Griechenland. Die Fluggesellschaften, die von hier aus Luftverkehr betreiben, sind Austrian Airlines, Blue Air, Tarom, Atlas Jet, Carpatair und Lufthansa. Die Einweihung des Flughafens hat 1943 auf dem heutigen Gelände stattgefunden und ein Jahr später begannen die regelmäßigen Flüge nach Bucures?ti, Bras?ov, Oradea und Ta?rgu Mures?. Im Jahr1992 wurde der Flughafen zum internationalen Flughafen erklärt. Die ersten Ziele waren München und Stuttgart. Zwischen 2006 – 2008 wurde der Flughafen mit einer Gesamtinvestition von 77 Millionen Euro modernisiert und erweitert. Nach Abschluss der Erweiterungsarbeiten verfügt der Flughafen in Sibiu über die Kapazität, große Flugzeuge mit Zielen wie Brüssel – Charleroi, Dortmund, Frankfurt – Hahn, London – Luton, Madrid, Memmingen, Mailand, Nürnberg, Paris – Beauvais, Tel Aviv – Ben Gurion, Basel – Mülhausen, Kopenhagen usw. zu betreiben.

HOTSPOT Sibiu 2018

Die zweite Ausgabe der HOTSPOT Sibiu-Konferenz, die im Dezember 2018 vom DeBizz Magazine und der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit für Südosteuropa in Zusammenarbeit mit dem DWS (Deutscher Wirtschaftsclub Siebenbürgen) organisiert wurde, hat die wirtschaftliche Lage Sibius im Kontext der Vorbereitungen für das informelle Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs analysiert. Die Veranstaltung wurde am 9. Mai, dem Europatag, organisiert und widmete sich der Zukunft der Europäischen Union und der künftigen strategischen Agenda der Staats- und Regierungschefs für den Zeitraum 2019-2024. Eine Besonderheit der Analyse, die mit Vertretern des lokalen Geschäftsumfelds und der öffentlichen Verwaltung durchgeführt wurde, war auch Sibius Eigenschaft als Europäische Gastronomieregion im Jahr 2019, die aufgrund der sehr gut erhaltenen lokalen gastronomischen Traditionen sowie der Vielfalt der kulturellen Einflüsse in der Region verliehen wurde.

Zu Beginn der Veranstaltung hat Sibius Bürgermeisterin, Astrid Fodor, die wichtigsten Infrastrukturprojekte der Stadtverwaltung aufgezählt und hat erwähnt, dass eine der größten Herausforderungen, die zu Verzögerungen bei der Fertigstellung der Arbeiten führen, mit dem Arbeitskräftemangel im Baubereich zusammenhängt. „Wir haben viele Projekte. Am wichtigsten sind natürlich die Infrastrukturprojekte. Für die Entwicklung eines Ortes ist die Infrastruktur grundlegend, und damit meine ich nicht nur das Gießen einiger Asphaltschichten. (…) Der Mangel an Arbeitskraft bereitet den Bauunternehmen große Probleme. Die Stadtverwaltung investiert sehr viel, wir sind ein großer Konsument von Arbeitskraft im Baubereich und aus dieser Sicht verzögert sich die Ausführung“, so die Bürgermeisterin, mit dem Hinweis, dass diese Situationen jedoch nicht zur Gefährdung der Projekte geführt haben. Das wichtigste Infrastrukturprojekt, das vom Privatumfeld und den Investoren in Sibiu erwartet wird, ist die Fertigstellung der Autobahn A1.

Klaus Reisenauer, General Manager des Entwicklers Oasis Retail Development & Consulting, anwesend bei der Veranstaltung, sprach über die Investitionsprojekte im Portfolio des von ihm geleiteten Unternehmens sowie über die Besonderheit und das Entwicklungspotenzial des Profilmarktes in Sibiu. Oasis Development ist einer der dynamischsten Retailentwickler in Rumänien mit über 70 Projekten, die auf einer Fläche von insgesamt 1,5 Millionen Quadratmetern in den letzten 15 Jahren im ganzen Land geliefert worden sind. Das Unternehmen entwickelt eigene Projekte unter den Marken Prima Shops und Family Center. Das Portfolio von Oasis Development besteht in Rumänien aus sechs Retailparks und Einkaufszentren, die unter der Marke „Prima Shops” in Oradea, Roman, Reghin, F?g?ra?, Tecuci und Mangalia eingeführt wurden, sowie zwei in Partnerschaft besessenen Retailparks unter der Marke „Family Center” in Giurgiu und Râmnicu Vâlcea. In Bezug auf die Auswirkung der im Jahr 2019 geplanten Veranstaltungen hat der Vertreter von Oasis betont, dass diese eine gute Gelegenheit für diejenigen darstellen werden, die Sibiu und Rumänien besuchen, um sich von den Möglichkeiten des lokalen Marktes zu überzeugen.

Marius Gîrdea, General Manager des Internationalen Flughafens Sibiu, hat im Rahmen der Konferenz die 2018 umgesetzten Entwicklungsprojekte sowie die positive Entwicklung des Passagierverkehrs vorgestellt. „Der Flughafen nähert sich langsam dem Zweck, für den er gebaut wurde. (…) Die Entwicklung ist hauptsächlich auf den gewohnten Verkehrsanstieg und natürlich auf die Einführung neuer Flugverbindungen zurückzuführen. Das Jahr 2018 hat eine außergewöhnliche Entwicklung erfahren, könnte ich meinen. Wir haben die Anzahl unserer Flugverbindugnen fast verdoppelt, wir haben sieben neue Ziele eingeführt, von denen eines intern, das mit Bukarest – vor allem im geschäftlichen Umfeld äußerst gewünscht – , und dann haben wir das Netzwerk nach Westeuropa ausgebaut“, so Marius Gîrdea.

Roxana Geangu, Gründerin von GNG Business Controller und Mitbegründerin von StomaLink und BeautyLink, hat Einblicke in ihre eigenen Erfahrungen im Bereich des Unternehmertums geboten und hat im Kontext einer Frage des Moderators die Auswirkungen der Einführung neuer Technologien in der Geschäftsentwicklung hervorgehoben. Sie hat gezeigt, dass sie nach einem Besuch an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften beschlossen hat, ein neues Projekt zu starten, nämlich „eine Coaching-Schule”.

Eine sehr angenehme Präsenz am Tisch der Geschäftsgespräche war der bekannte Chefkoch Jakob Hausmann, der Inhaber des Restaurants „Mica Elve?ie”/„Kleine Schweiz” in der Altstadt Bukarests. Er hat über die Auswirkungen der neuen „smart”-Technologien auf dem Gebiet der Gastronomie und die Besonderheit der lokalen Küche und hat die Möglichkeiten unterstrichen, die der Titel „Europäische Gastronomieregion” bietet, den Sibiu 2019 übernommen hat.

Quellen:

Monografie Sibius, BNR (Rumänische Nationalbank)

Statistische Bulletins des NIS (Nationales Institut für Statistik) und Berichte des Nationalen Instituts für Prognose, Websites lokaler Presseorgane, kultureller Institutionen, der Universitäten von Sibiu und anderer Institutionen

Daniel Apostol

Romania
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