Tudor Popp, Founding Partner Hotspot Workhub: „Der Anteil flexibler Arbeitsplätze wird in den kommenden Jahren von den wenigen Prozentsätzen heute auf etwa 10 bis 20 Prozent steigen”

Foto: Wolf-Dieter Grabner

Warum Coworking?

Flexible Coworking-Spaces sind auf Mängel in den traditionellen Mietverträgen für Büroflächen für Unternehmen zurückzuführen. Verträge werden in der Regel für einen Standardzeitraum von 5 bis 10 Jahren abgeschlossen, wobei die gewählte Bürofläche zu einer langfristigen Belastung wird. Innerhalb von 10 Jahren entwickelt sich das Unternehmen weiter, es kommen andere Generationen von Managern, die anfänglichen Pläne, Produkte und Teams verändern sich. Das Büro jedoch bleibt bestehen. Darüber hinaus ist die klassische Übersiedlung eines Unternehmens ein Prozess, der zwischen 6 Monaten und 2 Jahren dauert, in dem viele Abteilungen beteiligt sind und enorme interne Ressourcen investiert werden. Für Unternehmen ist der Umzug in ein flexibles Büro ein großer Vorteil. Die deutlich kürzere Mietzeit, die anpassungsfähige Raumstruktur, aber auch die Beseitigung der ursprünglichen Investition in Möbeln und Technologie sind starke Argumente für agile Unternehmen.

Wie haben Sie Ihre Arbeit in diesem Bereich begonnen?

Ich begann 1994 mit dem Entwerfen von Büroausbauplänen, als ich als Student in Wien ankam und meinen Lebensunterhalt bestreiten musste. Dort habe ich 11 Jahre lang gelernt, was Raumeffizienz, Ergonomie und Arbeitsplatzqualität bedeuten. Nach meiner Rückkehr nach Rumänien war ich als Berater in der Immobilienabteilung von Petrom tätig, in dem Team, das Petrom City entwickelte. In diesem Team habe ich meinen aktuellen Geschäftspartner, Andreas Schlote, kennengelernt, der mit einer reichhaltigen Erfahrung in der Büroentwicklung kam. Er war Projektleiter von Referenzgebäuden wie z.B. der Commerzbank- und der ARAG-Zentrale, beide von Norman Foster geplant. Gemeinsam mit Andreas haben wir die Firma REC Immpuls gegründet und waren im Laufe der Jahre an der Gestaltung der Büros mehrerer internationaler Konzerne, an Sanierungen und Umbauten wichtiger Bürogebäude, aber auch an der Entwicklung neuer Büroprojekte beteiligt.

Wie sind Sie ins Coworking-Geschäft gekommen?

Mich hatte schon lange das Thema der „new ways of working“ beschäftigt und in Bukarest sind die ersten wichtigen Spieler erschienen. 2019 hatten wir einen Kunden, für den wir versuchten, eine kleinere Bürofläche für eine Mietdauer von 3 Jahren zu finden. Gleichzeitig arbeiteten wir damals für den Eigentümer des Gebäudes The Mark bei der Koordinierung der Mieterausbauten im Gebäude. So entdeckte ich, dass die spektakulärste Fläche im The Mark noch nicht vermietet war. Da beschloss ich, unserem Kunden, der Deutsch-Rumänischen Industrie- und Handelskammer, ein Abenteuer vorzuschlagen: wir sollen die Fläche selbst mieten, sie einrichten und er, der Kunde, soll einen Teil davon nutzen. So entstand die spektakulärste und innovativste Coworking Fläche in Bukarest, Hotspot Workhub, wenn man auch das positive Feedback betrachtet, das von der Handelskammer aber auch von den anderen Mietern kam. Eine weitere Sache, die wesentlich zu unserem Erfolg beigetragen hat, war die Partnerschaft mit Vitra, einem der berühmtesten Möbelherstellern weltweit.

Wie sehen Sie die Zukunft des Büromarktes vor Ort?

Die Unternehmen werden erkennen, dass mittelfristig die Flexibilität sehr wichtig ist und dass ein schneller Umzug ohne größere Investitionen in einen vielseitigen Raum eine vorteilhafte Dynamik für Projekte und Produkte des 21. Jahrhunderts mit sich bringt. Ich denke auch, dass Eigentümer von Bürogebäuden nach Betreibern für flexible Bürolösungen für ihre Gebäude suchen müssen, um ihren Kunden Flexibilität und Dynamik bieten zu können. Studien zeigen, dass die Work-Life-Balance in einem innovativen und lebendigen Raum viel besser funktioniert. Im Laufe der Zeit werden auch viele erkennen, dass die Arbeit von zu Hause aus, andere Herausforderungen mit sich bringt. Der Mangel an gut beleuchteten und belüfteten Räumlichkeiten, das Fehlen von ergonomischen Möbeln, aber auch die fehlende Trennung zwischen Arbeit und Freizeit wird, meiner Meinung nach, die derzeitige Begeisterung für das Home-Office verringern. Wir riskieren, im Büro zu leben, anstatt zu Hause zu arbeiten. Ich neige dazu zu denken, dass der Anteil flexibler Arbeitsplätze in den kommenden Jahren von den wenigen Prozentsätzen heute auf etwa 10 bis 20 Prozent steigen wird.

Romania
Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Sînziana Pardhan, Managing Director P3 Rumänien: Wir möchten unsere Position auf dem Markt stärken und neue Akquisitionen offen betrachten

Sie sind einer der Haupteigentümer von Logistikflächen in Rumänien. Wie haben Sie Ihre Tätigkeit an die durch das Coronavirus ausgelöste...

Schließen