Was ich sonst noch kann

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Vor kurzem hielt ich eine Ausgabe einer deutschen Zeitschrift in Händen mit dem Titel: „Wer bin ich noch?“. Es ging um ungelebte Seiten unserer Persönlichkeit, wie wir sie finden und entfalten können. Ich fand dieses Thema so spannend, dass ich gerne in dieser Ausgabe darüber schreiben möchte.

Wir alle kennen noch unsere Kindheitsträume – ich hoffe, Sie hatten welche -; der eine wollte Astronaut, die andere Krankenschwester, Entdecker, Arzt oder vieles mehr werden. Wer von Ihnen ist denn das geworden, was er oder sie als Kind schon wollte? Wahrscheinlich die wenigsten unter uns. Meistens ist es doch so, dass wir uns irgendwann für einen Beruf entscheiden und uns an diesem Orientierungspfad dann weiter entwickeln, ob wir es mögen oder nicht. Irgendwann stellt sich Routine ein, wir spielen dann nur noch die eine Rolle, wir hören auf, zu träumen oder uns zu hinterfragen.

Dabei ist das Leben so spannend. Viele Länder kennen den Karneval, an dem wir uns verkleiden, ja in ganz andere Rollen schlüpfen dürfen. Gerade das disziplinierte Deutschland lässt in diesen Karnevalstagen Exzesse zu. Der einfache Buchhalter darf dann mal Pirat oder das Monster spielen, die brave Hausfrau taucht auf einmal in einem Diva-outfit auf. Oder es gibt überall verbreitet, Themenparties, wo bestimmte Zeitepochen und Stile wie die „Golden Twenties“ wiederbelebt werden. Irgendwie haben wir fast alle das Bedürfnis, im Leben nicht nur eine Rolle zu spielen, selbst für professionelle Schauspieler wäre das zu langweilig. Schon der Psychiater Carl Gustav Jung ging dem Thema nach und entwickelte das Konzept der Archetypen, die im kollektiven Unterbewusstsein des Menschen verankert sind. Jung definierte 12 dieser Archetypen, zu denen wir mehr oder weniger Zugang haben, wie zum Beispiel die Mutter, der Krieger, der Weise, der Clown, der Rebell, der Entdecker, etc. Wenn Sie sich mit diesen Typen einmal näher beschäftigen, kommt in Ihnen vielleicht genau die Frage an die Oberfläche:„Was könnte ich sonst noch sein?“.

Gehen wir ruhig mal davon aus, dass unser Beruf nur einen Teil dessen abdeckt, was wir alles könnten. In jedem von uns schlummern daher ungeahnte Möglichkeiten. Meistens ist es allerdings so, dass unsere bisher unentdeckten Persönlichkeitsanteile nur in Extremsituationen nach vorne kommen, also in einer beruflichen oder persönlichen Krisensituation. Wie oft habe ich es erlebt, dass ein Mitarbeiter seinen Job verliert oder selbst kündigt und dann seine anderen Talente – manchmal sind es auch Kindheitsträume – aktiviert. So kann ein braver Angestellter vielleicht auch das Spiel eines Unternehmers spielen, er hat es sich nur nie zugetraut oder ein Topmanager lässt alles liegen, um sein eigenes Restaurant zu eröffnen. In Gesprächen stelle ich dann immer wieder fest, dass diese Wechsler auf einmal Lebensfreude entwickeln, sie arbeiten an etwas, dass ihnen wieder einen neuen Sinn gibt. Das Leben ist eigentlich zu schade, um es nur sehr schmalspurig zu erleben. Als Kinder waren wir immer begeistert, wenn es etwas neues zu entdecken gab, ein neues Spiel, eine Reise in neue Länder, Abenteuer. Diese Begeisterungsfähigkeit kommt zu Ihnen zurück, wenn Sie eine neue Rolle spielen. Trauen Sie sich ruhig einmal zu, Ihre eigene innere Welt zu erforschen, ja sich selbst herauszufordern. Stellen Sie vor allem Ihre innere Stimme in Frage, die all Ihre Bemühungen sabotiert. Sie ist nicht echt. Vielleicht sind Sie ja auch ein Abenteurer, aber haben dieser Rolle in Ihem Leben bisher keine Bedeutung beigemessen? Als ich vor einigen Jahren in Amerika war, sah ich an der Westküste irgendwo auf einer Mauer den Spruch: „Du wirst enttäuscht sein, wenn Du versagst, aber Du bist verloren, wenn Du es nicht wenigstens versuchst“.

Das beginnende neue Jahr ist eine gute Gelegenheit, seine eigenen Talente zu entdecken und sich mehr zuzutrauen. Auch die bisher unentdeckten Seiten Ihrer Persönlichkeit wollen gelebt werden.

Dr. Michael Schroeder

Romania
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