Weniger ist mehr

Export Club ist ein Verein nach rumänischem Recht, gegründet 2015, der sich vorgenommen hat zum besseren Kennenlernen Rumäniens in den deutschsprachigen Ländern beizutragen. Neben dem gleichnamigen Verein in Wien, ist es unserem Club 2019 gelungen österreichische und in Wien akkreditierte Auslandskorrespondenten nach Bukarest und Sinaia, inkl. Pele? Schlossbesuch einzuladen. Es waren mehr als zehn Gäste. Zigfach erschienene Presseberichte (inkl. ein Fernsehfilm!) in Österreich, Deutschland, Russland, Bulgarien, Slowenien, Albanien waren die Folge.
Siehe dazu
www.export-club.ro.

„Rumänien vor einem Neubeginn in der EU?“, betitelte Mitte Januar 2020 der deutsche Journalist Klaus Prömpers (geb. 1949) seinen kurzen Beitrag, exklusiv für Debizz Magazine. Wofür wir uns bei ihm bedanken. Er besuchte unsere Redaktion Anfang November des Vorjahres, zusammen mit den Journalisten des Wiener Verbandes der Auslandspresse. Seine Bemerkungen zeigen signifikant eine pragmatische Perspektive. Über Rumänien als Sorgenkind, gab es immer und nicht nur seit 1989 diesen weltanschaulichen Abdruck: „Das Land, nach wie vor Sorgenkind vieler anderer Mitgliedsstaaten der Union, scheint nun doch den Weg in die transparente demokratische Kultur der Union zu suchen, der lange bedroht schien“, schreibt der langjährige Hörfunkmoderator beim Deutschlandfunk Morgenmagazin Hauptstadtredakteur ZDF mit den Spezialgebieten Außen- und Sicherheitspolitik in Bonn und anschließend Auslandskorrespondent in Brüssel, Wien und New York
.

„Auf Einladung des Bukarester Export Clubs hatte eine Gruppe ausländischer Journalisten eine Woche vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahl die Gelegenheit, sich vor Ort in Bukarest und Sinaia einen Eindruck von der aktuellen Lage im Lande zu machen. Vieles ist 13 Jahre nach dem Beitritt des Landes zur EU in Bewegung gekommen. Aber vieles bleibt auch noch zu tun. Das Land leidet, ähnlich wie andere südosteuropäische Neumitglieder und Noch-nicht-Mitglieder unter dem brain drain. Vor allem im medizinisch-technischem Bereich, aber auch im Bereich der gutausgebildeten Fachkräfte gibt es eine Tendenz zur Abwanderung, die man für den gesamten Bereich Südosteuropas ungefähr mit 7 Millionen Menschen beziffert, die ihre Zukunft nicht in ihrem Heimatland sehen. Hauptsächlicher Grund die wirtschaftliche Entwicklung, die trotz aller rasanten Wachstumsraten seit 1989 keineswegs den Anschluss an die Situation in den alten EU Ländern gebracht hat. (…) Eine dramatische Entwicklung“, meint Prömpers zurecht. Er ist seit 2015 Berichterstatter in Wien für Südosteuropa. Der Journalist versteht und erlaubt sich auch die rumänischen Gegebenheiten direkt zu benennen, ohne einer links-rechts geometrischen Achse. „Der export club führte uns mit verschiedenen Beispielen vor Augen, wie viele Probleme noch zu lösen sind, will man die rumänische Bevölkerung wieder stärker fürs Arbeiten und Leben im eigenen Land motivieren. Professor Teo Teaha zeigte verschiedene Felder der Wirtschaft auf, in denen Kooperationen durchaus fruchtbar für ausländische und rumänische Firmen sind. Zurückhaltung üben ausländische Unternehmen allerdings immer noch ein Stück weit wegen der juristischen und finanziellen Fallstricke, mit denen sie konfrontiert werden können“. Die akkurate Perspektive des Verfassers zu der „Realpolitik“ in Bukarest sieht wie folgt aus: „Mit der Wahl des liberal konservativen Premiers Ludovic Orban und der Wiederwahl des Präsidenten Klaus Johannis, der Wahl der Rumänin Laura Kövesi zur ersten Antikorruptionsstaatsanwältin der Europäischen Union sowie der Auswahl der neuen rumänischen EU-Verkehrskommissarin Adina Valean scheinen die Weichen neu gestellt für die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Rumänien“.

Die Kompassnadel liegt – meiner Meinung nach – ein wenig anders in Bukarest, weil der magnetische Nordpol in ständiger Bewegung ist. Während des Besuchs, konnten sich unsere Clubmitglieder wiederholt darüber ausführlich mit den Medienvertretern unterhalten. Politiker und Diplomaten haben uns zu Hintergrundgesprächen eingeladen. Verzeichnet, nicht offiziell und selbstverständlich auch ganz inoffiziell…

Klaus Prömpers, ein ehrlicher Kenner Rumäniens, schreibt weiter: „Natürlich gehört ein Stück weit auch die Perspektive aus Nord- oder Mitteleuropa verändert. Darauf wies beim Besuch fast jeder unserer Gesprächspartner auf unterschiedliche Weise hin. Transparenz International Rumänien Chef, Marian Popa, erinnerte daran, dass Rumänien ein wenig ein Borderline-Syndrom zwischen Asien und Europa habe. Es sei überaus mühsam, die kleine Alltagsbestechung, die in kommunistischen Zeiten Gang und Gäbe war, abzustellen. Umso schwerer sei es, den Antikorruptionskampf zu führen,
zumal die Politik über weite Strecken ein schlechtes Beispiel gab und gibt. Hier sind Einstellungsänderungen erforderlich, die nicht über Nacht bewirkt werden können. Trotz aller bemerkbaren Fortschritte seit dem Beitritt Rumäniens am 1. Januar 2007, es bleibt noch viel zu tun. Im November 2020 werden Parlamentswahlen Aufschluss darüber geben ob der Regierungswechsel von den Sozialdemokraten zu der PNL – Partei im Verbund mit anderen auf Dauer angelegt sein wird oder ein Strohfeuer bleibt. Die Wahlbeteiligung lag in der Vergangenheit häufig sehr niedrig. Die Parteien müssen ihre Attraktivität beweisen“. 

Herr Prömpers schreibt wie er denkt. Die rumänischen politischen Parteien versuchen bereits ihr Können unter Beweis zu stellen. Was bleibt ihnen anders übrig? Politisches Strohfeuer und „Kapriolen machen“ sind ständig auf ihrer Tagesordnung, was die meisten der ausländischen Journalisten bereits im Vorjahr richtig gespürt haben. Auch über die politische Verdrossenheit haben wir uns während des Besuchs unterhaltet. Diese wächst, öfters die Wahlurnen geöffnet sein werden. „Weniger von etwas ist zumeist besser als mehr davon“, sagt man. Paradoxerweise wird erst 2024 der Höhepunkt kommen. Das Jahr mit allen möglichen rumänischen Wahlen: Parlaments- und Kommunalwahlen. EU-, Parlaments und eigene Präsidialwahlen. Die zitierte kollektive Persönlichkeitsstörung, als schwankendes Selbstbild der Rumänen über sich selbst, könnte stimmen. Ist eine Überlegung wert in einem bewegten Wahljahr wie heuer. Wann die Emotionen richtig zu kochen anfangen werden. Das demokratische Rumänien hat schon zu oft (s)ein selbstschädigendes Verhalten bewiesen.Weil dem Land das Verständnis des Nutzens der Könner in der Politik fehlt. Die Koryphäen sind in unserer Politik eher selten. Und Könner sind nicht unbedingt Macher. Die Bescheidenheit, eine Lösung die nur wenige verstehen. Der vom Publikum erwünschten Erlösung und der Abkehr vom politischen Establishment bei zwingendem Verlangen des Wählers sind auch bisher nur sehr wenige gewachsen. Den Traum vom Paradies auf Erden versucht die Politik messianisch zu verlängern. Darum „Borderline“, als simple Erklärung! Und nicht nur für Rumänien. Alle sind wir Neurotiker wenn es um die Politik geht.
Somit, „Neubeginn“? Geh bitte!

Dr. Alex Todericiu

Romania
Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Mächtig Kohle für null Kohle

Es wird an diesen Tagen sehr viel über Geld diskutiert in Brüssel, auch abgesehen von dem üblichen Streit um die...

Schließen