„Wir sind entweder nicht seriös, können leicht manipuliert werden oder beides…“ . Interview mit Arnold C. Dupuy

Ich habe Herrn Prof. Dr. Arnold C. Dupuy, einen international anerkannten Experten der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton und Analytiker für den Pentagon in Bukarest getroffen. Er wurde mir als Vortragender einer Konferenz organisiert durch „Monitorul Apărării și Securității“ im April 2019 vorgestellt. Danach unterhielten wir uns über Rumänien, die USA sowie Österreich. U.a. auch über den Bericht, gezeichnet von Frau Univ.-Prof. Dr. Isabela Mares, genannt „Die politischen Spiele haben die Sicherheit der NATO am Schwarzen Meer beeinträchtigt“, erschienen am 24.04.2019 in der US-amerikanischen Publikation nationalinterest.org! Prof. Dupuy kommentiert im Interview strategische Aspekte aus diesem Beitrag. Die wirtschaftliche und damit strategische Rolle der militärischen Beschaffungen am Schwarzen Meer wurde von DeBizz wiederholt erleuchtet, sowohl durch unseren Aufmacher mit Herrn René H. Berkvens, CEO Damen Group, Holland (#144, November 2018) als auch durch die Veröffentlichung des Beitrages von Dr. Gerald Karner, aus der Österreichischen Militärischen Zeitschrift, ÖMZ, in unserem April 2019 Heft (#148). Frau Prof. Mares hat uns die Veröffentlichung ihres Artikels für unsere Leserschaft freundlicherweise exklusiv zugesagt. Wofür ich mich bei ihr hiermit bedanke.

Alex Todericiu (A.T.): Bitte kommentieren Sie die Ansichten Frau Prof. Mares zu den strategischen Akquisitionen in Rumänien, die ihrem Artikel aus der US-amerikanischer Publikation The National Interest (TNI) zu entnehmen sind, aus der Perspektive Ihrer Erfahrungen als Militäranalytiker des Pentagon.

Arnold Dupuy (A.D.): Im Allgemeinen stimme ich vollkommen mit Prof. Mares überein. Die gesamte Schwarzmeerregion ist ein Ort von entscheidender Bedeutung. Passend zu Polen im Norden habe ich Rumänien oft als strategischen Anker an der Südostflanke der NATO bezeichnet. Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten, als größter Geldgeber und Sicherheitsgarant des Bündnisses, eindeutig ein Interesse daran, die Sicherheitsanforderungen Rumäniens zu unterstützen. Tatsächlich ist eine starke, zukunftsorientiert einsetzbare Verteidigung von grundlegender Bedeutung für die Sicherheit Rumäniens und auch für die Interessen der NATO in Südosteuropa. Letztlich ist die langfristige Stabilität Rumäniens entscheidend für die Stärkung der Schwarzmeer Grenzregion.

Die Anschaffung der Korvetten durch die rumänischen Seestreitkräfte ist ein notwendiger Bestandteil dieser Verteidigungshaltung. Leider sind nationale und internationale politische Machenschaften, so wie wir sie beim Erwerb der Korvetten sehen nicht hilfreich. Es zeigt einen Mangel an einheitlicher Anstrengung, der in Allianzen so wichtig ist. Darüber hinaus beobachten unsere Gegner diese Aktivitäten sehr genau. Dies zeigt, dass wir entweder nicht seriös sind, leicht manipuliert werden können oder beides.

A.T.: Sind Sie der Meinung, dass der Titel des TNI-Artikels begründet ist?

A.D.: Ich denke, das Bündnis ist immer noch robust und kann bestimmtem Druck von außen und innen standhalten. Das hat es immer getan. Nichtsdestotrotz ist dies jedoch nicht der richtige Zeitpunkt, um sich solchen politischen Aktivitäten zu widmen, insbesondere von Rumänien, das sich in einer recht ausgesetzten und anfechtbaren geopolitischen Position befindet. Langfristig ja, wenn diese Situation nicht schnell behoben wird, könnte der Glaubwürdigkeit Rumäniens und der NATO Schaden zugefügt werden.

A.T.: Was sollten die USA Ihrer Meinung nach in diesem Kontext tun, in dem ein verbündeter Staat wie Rumänien zwischen den großen Konzern-Interessen der Verteidigungsindustrie der EU (Frankreich) und der NATO (USA) ausmanövriert wird?

A.D.: Zugegeben, dass sich Bukarest in einer schwierigen Lage befindet. Zwischen zwei einflussreichen Verbündeten eingeschlossen. Die USA müssen sich auf eine geduldige, beharrliche Diplomatie einlassen, um Rumänien zu einem Schluss zu verhelfen. Ein Punkt, der verstärkt werden muss, ist, dass Interoperabilität und Vertrautheit mit US-Plattformen und Waffensystemen von größter Bedeutung sind. In ihrem Artikel unterstreicht Prof. Mares die Interoperabilität hervorragend. Mit der Sechsten Flotte der USA als der dominierenden Seestreitmacht im östlichen Mittelmeerraum und da­mit auch der Schwarzmeerregion, würde es Sinn machen, dass die rumänischen Seestreitkräfte so nahtlos wie möglich mit den US-Flottenbeständen zusammenarbeiten.

A.T.: Welche Entwicklungen sind Ihrer Meinung nach im Schwarzen Meer zu erwarten und welche ist Ihre Fünf-Jahresperspektive diesbezüglich?

A.D.: Ich zögere sehr, Vorhersagen über die geopolitischen Ereignisse in der Schwarzmeerregion zu treffen. Trotzdem, selbst wenn ich mir in den nächsten fünf Jahren keine neuen großen Krisen vorstellen kann, sehe ich, wie Russland das Bündnis in der Region testet, ähnlich wie wir es Ende letzten Jahres im Asowschen Meer gesehen haben. Dies bedeutet nicht notwendigerweise eine direkte kinetische Handlung, sondern es ist wahrscheinlicher, dass die Aktivitäten der Hybridkriegsführung, die bereits in der Ukraine und an anderen Orten der russischen Peripherie stattfindet, verstärkt werden.

Zu bedenken ist die Stärke der russischen Wirtschaft in dieser Zeitspanne. Ein starker Rückgang des russischen Lebensstandards oder der Beliebtheit Putins (oder der seines Nachfolgers) könnte den Kreml entweder im Baltikum oder im Schwarzen Meer zu einer aggressiveren Haltung zwingen. Es ist wiederum sehr wahrscheinlich, dass es in Form einer hybriden Kriegsführung und unter der Schwelle des Artikels V passieren wird. („einer für alle, alle für einen“, A.T.)

Als abschließender Gedanke: Rumänien ist ein enger Freund und Verbündeter der Vereinigten Staaten. Mein Wunsch für Rumänien ist, die positiven Beziehungen zu den USA und innerhalb des NATO-Bündnisses fortzusetzen. Dazu gehören die Förderung der Interoperabilität und die Weiterführung der kontinuierlichen Militärübungen, aber auch die Befürwortung von Handel und Investitionen. All dies wird letztendlich die regionale Position Rumäniens stärken und seine Sicherheit erhöhen.

Kremsmuellerrot
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