Bosch Management in Rumänien: Maßnahmen zur Rückkehr zur Normalität und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit im neuen wirtschaftlichen und sozialen Kontext

Mit über 8.000 Mitarbeitern an fünf Standorten landesweit ist Bosch einer der größten Akteure der rumänischen Wirtschaft und der zweitbegehrteste Arbeitgeber in der lokalen Automobilindustrie. Auf nationaler Ebene war Bosch eines der Unternehmen, die aktiv am Kampf gegen Covid-19 beteiligt waren. Zusätzlich zu Spenden unter Form von Eigenmarkenprodukten spendete das Unternehmen dem Bukarester Marius-Nasta-Institut für Lungen- und Bronchialheilkunde einen Echtzeit-PCR-Tester zur SARS-C0V-2-Identifizierung, dem Temeswarer Victor-Babe?-Krankenhaus für Ansteckende Krankheiten ein Bett für die Intensivstation und den Krankenhäusern aus Cluj und Blaj, die sich an vorderster Front befinden, drei mechanische Beatmungsgeräte und grundlegende medizinische Schutzvorrichtungen.

Über den aktuellen Kontext sprach ich mit den Vertretern der Bosch-Standorte im Land. Mihai Boldijar – General Manager und Vertreter der Bosch-Gruppe in Rumänien, Alexander Firsching und Arnold Dirk – Kaufmännischer Leiter und Technischer Leiter von Bosch Automotive Blaj SRL, Monica Constantinescu – Kaufmännische Leiterin der Bosch-Fabrik in Cluj, Dennis Raabe – ehemaliger Leiter des Bosch Engineering Center in Cluj und Martin Gladigow – Global Service Manager bei Bosch Service Solutions teilten mir mit, was die letzten vier Monate für das Geschäft von Bosch in Rumänien bedeutet haben.

Mihai Boldijar: Alle Maßnahmen, die wir bereits seit Beginn der Pandemie ergriffen und umgesetzt haben, hatten als Hauptziel den Schutz der Gesundheit der Mitarbeiter, die Sicherung der Arbeitsplätze und die Kontinuität der Geschäftstätigkeit. Alle meine Kollegen waren sehr engagiert und erwiesen sich als echte Führungskräfte, die es der gesamten Organisation ermöglichten, die heiklen Momente zu überwinden. Während dieser gesamten Zeit haben das Vertrauen und die Motivation aller, diese Hürde zu überwinden, am meisten gezählt. Wir sind eine agile Organisation und haben es geschafft, uns schnell auf die neuen Trends und Veränderungen einzustellen, die die Telearbeit mit sich bringt. Wir waren im CSR-Bereich intensiv tätig und haben unsere Investitionen im Bereich Bildung fortgesetzt. Kürzlich haben wir die Einschreibungen für das Junior Managers-Programm eröffnet. Vor kurzer Zeit haben wir auch unser eigenes Gebäude des Bosch Engineering Center in Cluj eingeweiht. Ich bin der Überzeugung, dass es auch während der Krise Chancen gibt, und die Umwandlung von Herausforderungen und Ungewissheit in konkrete Maßnahmen ist nicht nur ein wichtiger Schritt für die Rückkehr zur Normalität, sondern auch für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Bei Bosch geht es um Innovation, und bei Innovation sind die Beharrlichkeit und das Können, mit denen man schwierige Situationen bewältigt, Stärken. In einer technologisierten Welt ist die Innovationsfähigkeit eines jeden ein entscheidender Faktor. Der Übergang, den die Automobilindustrie in Richtung autonomes Fahren und Elektromobilität begonnen hat, ist in dieser Hinsicht ein herausragendes Beispiel. Das Internet der Dinge (IoT), aber auch andere Technologien, mit denen wir heute arbeiten und an denen wir heute arbeiten, schaffen ebenfalls Chancen. Natürlich braucht Rumänien für einen Neustart der Wirtschaft eine zukunftsorientierte nationale Strategie, die die deutliche Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit in den Schlüsselsektoren fördert. Wir diskutieren auch mit den Behörden über ein nationales Programm, das sich sowohl an alle öffentlichen als auch privaten Akteure des Systems richtet, und über die Annahme langfristiger Ziele.

Alexander Firsching und Dirk Arnold: In kritischen Zeiten ist es wichtig, unser Handeln zu synchronisieren und Wissen auszutauschen, da wir alle mit denselben Herausforderungen konfrontiert werden. Drei Viertel der Produktion des Bosch-Werks in Blaj hängen vom Automotive-Sektor ab, und die Auswirkungen von Covid-19 auf die Produktionseinheit waren erheblich. Die meisten unserer Kunden haben ihren Betrieb eingestellt und dies hat zu einem erheblichen Rückgang der Nachfrage geführt, aber das vielfältige Portfolio der Fabrik ist in dieser Zeit ein echter Vorteil gewesen. Infolge der Wiederaufnahme des Betriebs der Automobilunternehmen verzeichneten wir im Mai und Juni ein leichtes Aufleben. Es ist schwierig, einen Überblick über die kurz- und mittelfristigen Aussichten des Werks in der gegenwärtigen Situation zu schaffen. Wir unternehmen alle erforderlichen Anstrengungen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, und sind optimistisch in Bezug auf das Wachstumspotenzial unseres Geschäftsbereichs. Die Zukunft ist nicht ganz ungewiss. Wir arbeiten an ehrgeizigen Projekten für die Automobilindustrie, und in Zukunft werden neue Automodelle auf den Markt gebracht. Was wir jetzt nicht wissen oder vorhersagen können, ist das Volumen. Um das Produktionsvolumen zu erhöhen und neue Arbeitsplätze zu schaffen, brauchen wir natürlich auch die Unterstützung des rumänischen Staats. In Bezug auf die Gesundheit der Mitarbeiter haben wir bereits im Februar begonnen, Maßnahmen zu ergreifen: Wir produzieren, in der Fabrik sogar, eigene Masken für unsere Mitarbeiter und haben rechtzeitig Maßnahmen zur sozialen Distanzierung eingeführt. Die Einstellung und Motivation unserer Kollegen, mit deren Hilfe wir über 100 Regeln eingeführt haben, die dazu gedient haben, unsere Sicherheit zu gewährleisten, haben uns sehr geholfen. Darüber hinaus verfügen wir innerhalb der Produktionseinheit über ein von Bosch selbst hergestelltes medizinisches Vivalytic-Testgerät.

Monica Constantinescu: Es ist wichtig zu berücksichtigen, dass wir täglich mit globalen Veränderungen konfrontiert werden, die sich auch auf nationaler Ebene widerspiegeln und sich direkt oder indirekt auf unsere Wirtschaftstätigkeit auswirken. Das Jahr 2020 legte einen guten Start hin und ein Wachstum des Betriebsvolumens der Fabrik wurde erwartet. Die durch die Pandemie verursachte Lage zwang uns jedoch, unseren Betrieb einzuschränken, da die Nachfrage der Kunden, der großen Automobilhersteller, erheblich zurückging. Derzeit ist ein allmähliches Wachstum der Betriebstätigkeit zu erkennen. Die Voraussetzung für eine Rückkehr zur Normalität hängt jedoch von der Entwicklung der Pandemie und ihren Auswirkungen auf die Automobilindustrie ab. Wir sind weiterhin zuversichtlich in Bezug auf das Entwicklungspotenzial des Markts für elektronische Komponenten und auf die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Fabrik und setzen Investitionen in neue Produkte und Technologien fort. Schon seit Beginn der Pandemie war die Gesundheit der Mitarbeiter und die aktive Kommunikation mit ihnen das Hauptanliegen innerhalb der Fabrik. Wir haben eine Reihe von Schutz- und Präventionsmaßnahmen umgesetzt, die es uns ermöglicht haben, die Kontinuität der Tätigkeit und die rasche Anpassung des Betriebs auf Auftragsebene sicherzustellen. Gleichzeitig wurden ständig neue Maßnahmen eingeführt, entsprechend den Empfehlungen der Weltgesund-heitsorganisation(WHO) und der Behörden. Wir haben den Arbeitsplan in Schichten angepasst, die Telearbeit nach Möglichkeit gefördert, die Verpflichtung zum Tragen der Schutzmaske eingeführt, einen automatisierten Prozess zur Überprüfung der Temperatur der Mitarbeiter am Werkseingang mit einem Thermoscanner definiert, ein umfangreiches Programm zur ständigen Desinfektion gestartet, wir haben alle Einrichtungen angepasst, die unseren Mitarbeitern gewidmet sind, wie etwa die öffentlichen Essbereiche und die Transportmittel, und wir haben den Mitarbeitern ein Bosch Vivalytic-Testgerät zur Verfügung gestellt. Wir haben Zeit und Ressourcen investiert, um eine aktive und ständige Kommunikation über die aktuelle Situation zu ermöglichen, damit alle die Präventionsmaßnahmen nicht nur bei der Arbeit, sondern auch im Privatleben verstehen und respektieren. Verantwortung ist der Grundstein der Werte von Bosch, und in dieser Zeit war es mehr denn je von wesentlicher Bedeutung, sich aktiv zu engagieren und die Gemeinschaft zu unterstützen. Wir haben unter Einbeziehung der Mitarbeiter weiterhin Maßnahmen durchgeführt, die zur Bekämpfung der Pandemie beitragen und eine enge Zusammenarbeit zwischen Kollegen fördern, und wir sind weiterhin vereint und handeln verantwortungsbewusst. Um im Bereich der positiven Aspekte zu bleiben: Wir planen, die Investitionen im Bosch-Werk in Cluj fortzusetzen. Ein Schlüsselelement war die Einführung in beiden Produktionseinheiten des Konzepts „Inspiring Working Conditions”/„Inspirierende Arbeitsbedingungen“, das spezielle Elemente der Inneneinrichtung, ruhige Arbeitsbereiche, gemeinsame Bereiche für die Interaktion, spezielle Räume für Konzentration und kreative Räume für die Teamarbeit bietet. Somit wird eine offene Organisationskultur gefördert, die auf Zusammenarbeit und Kreativität ausgerichtet ist. Ebenfalls investieren wir weiterhin in die berufliche Entwicklung der Mitarbeiter und digitalisieren das Schulungsprogramm. Innerhalb der Fabrik gibt es seit 2017 ein modernes Schulungszentrum, in dem wir Schulungsaktivitäten für unsere Teams durchführen. Hier finden auch die Workshops der Dualen Schule statt. In diesem Jahr haben wir die Tätigkeit der dualen Schule erweitert, und im nächsten Schuljahr sollen über 140 Schüler von diesem Programm profitieren. Wir setzen auch die Zusammenarbeit mit lokalen Universitäten fort und entwickeln spezielle Programme, um Studenten bei der Entwicklung von praktischem Wissen in der Automobilindustrie zu unterstützen.

Dennis Raabe: Im Fall des Engineering Center aus Cluj war das Engagement und die Durchführung konkreter Solidaritätsmaßnahmen mit positiven Auswirkungen auf die Klausenburger Gemeinschaft eines der positiven Ereignisse in dieser Zeit. Verantwortung, Solidarität und Unterstützung für Menschen in Not sind die Grundprinzipien, die uns in dieser schwierigen Zeit leiten. Der Übergang zur Telearbeit verlief natürlich, ohne technische Probleme und mit entsprechenden Leistungen. Gemeinsam haben wir bewiesen, dass wir der Situation standhalten können und dass wir bei der Durchführung von Projekten konsequent bleiben können, und wir haben es geschafft, unsere Stärken selbst außerhalb der Büroräume optimal zu nutzen. Auch jetzt sogar, nachdem einige unserer Kollegen ins Büro zurückgekehren, spielen soziale Distanzierung sowie der Rest der Präventions- und Schutzmaßnahmen eine wichtige Rolle, ebenso wie die Kommunikation. In der Tat wird die Automobilindustrie derzeit mit sehr vielen Herausforderungen konfrontiert, die es auch in den kommenden Jahren geben wird. Trotz dieses ungünstigen Kontexts zielt das Bosch Engineering Center in Cluj auf Maximierung der Beiträge zur Zukunft des autonomen Fahrens und auf eine weitere positive Entwicklung ab. Derzeit sind rund 800 Mitarbeiter im Bosch Engineering Center in Cluj tätig und mit ihrer Hilfe entwickelt sich das Unternehmen in Bezug auf Projekte und Verantwortung ständig weiter und trägt so zur Gestaltung der Zukunft der Mobilität bei. Unabhängig von der Gesundheitskrise sind die Wachstumspläne weiterhin gültig. Das Bosch Engineering Center in Cluj hat den Wettbewerbsvorteil, ein Unternehmen mit eigenem Produkt zu sein. Zudem haben wir auch in diesem Jahr die führende Position unter den begehrtesten Arbeitgebern in Cluj – Napoca behalten und sind die erste Wahl für Klausenburger Kandidaten, die an einer Karriere in den Bereichen IT und Technik interessiert sind. Wir sind und bleiben den Gemeinschaften nahe, in denen wir tätig sind, und versuchen so weit wie möglich, durch innovative Maßnahmen zu helfen. Investitionen im Bereich Bildung bleiben eine der zentralen Säulen, auf denen die Mission des Unternehmens aufbaut. Bereits seit seiner Gründung hat das Bosch Engineering Center in Cluj auch eine Reihe hervorragender Partnerschaften mit lokalen Universitäten aufgebaut. Derzeit werden in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Cluj-Napoca und der Babe?-Bolyai-Universität drei Masterstudiengänge und drei Universitätskurse für Studenten und Masterstudenten in verschiedenen Phasen ihrer akademischen Laufbahn durchgeführt. Jährlich bietet das Engineering Center über 50 Stipendien für talentierte Studenten.

Martin Gladigow: Für Bosch Service Solutions Timi?oara/Temeswar war die Covid-19-Pandemie eher ein Marathon als ein Sprint, aber selbst in diesen schwierigen Zeiten wurde der Ausbau des Geschäfts fortgesetzt. Ich bin umgeben von unglaublichen Menschen, die unabhängig von den durch die Gesundheitskrise verursachten Einschränkungen außergewöhnliche Qualitätsleistungen erbringen. Unser Buchhaltungswissen, die Erfahrung, die das Unternehmen in den letzten acht Jahren gesammelt hat, und ein umfassender Schulungsrahmen sind die Grundsteine für das Wachstum des Unternehmens in Timi?oara, sowohl in Bezug auf Größe als auch in Bezug auf Komplexität. In dieser Zeit war die Sicherheit der Mitarbeiter zweifellos die oberste Priorität. Eine weitere Priorität bestand darin, sicherzustellen, dass der tägliche Betrieb nicht beeinträchtigt wird. Ein Schlüsselelement ist dabei die häufige und transparente Kommunikation mit unseren Mitarbeitern und Kunden über den Umgang des Unternehmens mit der Situation. Obwohl die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, Teil unseres Geschäftsmodells ist, hat die Telearbeit das Niveau während der Pandemie nie erreicht. Die letzten Monate haben viele Herausforderungen mit sich gebracht. Die erste davon betraf die Verlegung der Tätigkeit der Mitarbeiter vom Büro nach Hause. Um diese Änderung zu ermöglichen, haben wir die Anzahl der verfügbaren IT-Geräte erhöht und neue Funktionen aktiviert, die für die Fernarbeit erforderlich sind. Es gab Momente, in denen die VPN-Fähigkeit (Virtual Private Network) überlastet wurde, aber das IT-Support-Team löste das Problem schnell. Auch die Personalabteilung fand sofort kreative Lösungen für verschiedene Themen: Die Integration neuer Mitarbeiter erfolgte im virtuellen Umfeld, die klassischen Bewerbungsgespräche wurden zu Videointerviews und die Schulungen wurden ins Online-Umfeld verlegt. Die operativen Teams haben sich leicht an die aktuelle Situation, die neue Arbeitsweise und an die Kommunikation ausschließlich im Online-Umfeld angepasst. Wir haben bereits die Planung der Rückkehr ins Büro eingeleitet, einschließlich verschiedener Szenarien, in denen Teams und Räume umgestaltet werden. Innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne hat die Pandemie unsere Arbeitsweise grundlegend verändert: Die Zusammenarbeit erfolgt nun im virtuellen Umfeld, wir tragen Schutzmasken und pflegen soziale Distanz. Es ist wichtig, auch die positiven Aspekte zu betrachten: Im Laufe der Zeit ist es uns gelungen, von einem kleinen Satellit-Büro zu einem globalen Service-Hub zu wachsen. Dieses Wachstum setzt sich auch heute mit zusätzlichen Dienstleistungen wie der neuen Abteilung für Vertrieb- und Logistik-Support fort. Das Ziel der Abteilung Global Services in Timi?oara ist auf die Integration und Entwicklung innovativer Dienstleistungen in sämtlichen Geschäftsbereichen des Unternehmens ausgerichtet. Die Portfoliodiversifikation ist eine der Möglichkeiten, durch die wir dieses Ziel erreichen wollen, und wir führen bereits fortgeschrittene Gespräche über das Hinzufügen neuer Dienstleistungen zu unserem lokalen Portfolio, die sich stark von unseren derzeitigen Bereichen unterscheiden. Die Vielfalt der Tätigkeit wird sich weiter entwickeln und es werden neue Rollen entstehen, sowohl innerhalb der Abteilung Global Services als auch innerhalb der Branche. Unsere Investitionen in Technologie zahlen sich aus und wir alle werden von einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen Teams und Funktionen mit einer transparenten Schnittstelle gegenüber unseren Geschäftspartnern profitieren.

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